Im Interview mit Monika Artz und Mona Göbel | Rat Hund Tat
Im Interview mit Monika Artz und Mona Göbel

Im Interview mit Monika Artz und Mona Göbel

Nach der Veröffentlichung unseres Berichts (Juni 2016) über das Machtgehabe der Obrigkeiten, konnten wir zwei Hunde Erziehungsberater (HEB) zu einem Interview bewegen.

Monika Artz, Inh. von art(z)gerecht - für Mensch und Hund und Mona Göbel, Inh. von MonaLupa sind Opfer der Bürokratie ihrer zuständigen Veterinärämter. Ihnen wird die Zulassung für das gewerbliche Arbeiten mit Mensch und Hund untersagt, obwohl sie mehr als qualifiziert sind und das auch belegen können.

Vielen Dank liebe Monika und Mona, dass ihr euch zu dem Interview bereiterklärt habt. Da wir von RHT die Problematik des »Genehmigungsverfahrens nach § 11 des Tierschutzgesetzes« intensiv verfolgen, wissen wir, wie sensibel das Thema ist.

RHT: Könnt ihr mit wenigen Worten erklären, warum euch die Arbeit mit Mensch und Hund so viel bedeutet?

Monika: Für mich ist es faszinierend und zutiefst erfüllend mit zwei, in der Regel sensiblen, Spezies "Mensch und Hund" zu arbeiten. Ich verstehe mich als Mediator – also Vermittler – zwischen beiden und begegne ihnen offen und zugewandt. Die Bedürfnisse beider zu erfassen, zu konkretisieren, zu vermitteln und gleichzeitig ziel- bzw. lösungsorientiert zu arbeiten erfordert Empathie, Konzentration und ein hohes Maß an Fachkenntnis und zwar insbesondere dann, wenn Schwierigkeiten gelöst und nicht schlicht gedeckelt werden sollen.

Mona Göbel bei der Arbeit

Mona Göbel bei der Arbeit

Mona: Ich sehe meine Arbeit nicht nur als Beruf, es ist meine Berufung! Die Erfolge sprechen für sich. Wirklich gute Mensch-Hund-Teams zu „bilden“ und dafür sorgen, dass jeder Mensch seinen Hund einschätzen, kontrollieren, mit ihm kommunizieren und im Team arbeiten kann – darum geht es mir. Der Aufbau von Beziehung, Vertrauen, Sicherheit und Kommunikation. Nur so werden Hunde wirklich verstanden und nur so werden sie niemals auffällig werden. Für mich wäre es am Thema Hund vorbei, einen Hund ausschließlich auf bestimmte Funktionen zu „dressieren“ bzw. auszubilden. Funktion führt zu Symptom!

RHT: Könnt ihr kurz schildern, wie euer bisheriger Werdegang als Hundetrainer aussah, um dem Leser darzulegen, warum ihr zu den Opfern gehört?

Monika:
seit 2000 bis heute: Besuch von Seminaren bei nationalen und internationalen Referenten
2005 – 2007: Ausbildung zum Hundeerziehungsberater bei Jan Nijboer
2007 – 2008: Ausbildung zur Natural Dogmanship® Instruktorin
im Jahr 2006: Beginn der Tätigkeit
Mona:
1983 - 90: Ehrenamtliche und Aushilfstätigkeit in Tierheimen
1990 - 94: Beginn der Arbeit mit Problemhunden im Tierheim Ingolstadt
1993: Fachkundenachweis (Umgang mit Problemtieren sowie Sachkundenachweis § 11 TierSchG) an der Akademie für Tierschutz Neubiberg
1994: Abschluss Ausbildung Tierpflegerin Fachrichtung Zootierpflege
1995-98: Weiterführende Praktika in Hundeschulen / -vereinen – u.a. auch Blindenführhundschule
2000: Eröffnung meiner Hundeschule
1999 - 2004: Ausbildung mit Abschluss zur Hundeerziehungsberaterin bei Jan Nijboer. Nach Abschluss Ernennung zur Natural Dogmanship® Instruktorin
2007: Anerkennung als BDSF Sachverständige für Hundewesen, Hundeerziehung und Verhaltensberatung, inkl. Aufnahme in den dazugehörigen Bundesverband
2010: Fachbuchautorin, Buchveröffentlichung „Die Verständniswelt des Hundes“ Band I

RHT: Ihr Beide könnt zahlreiche Fort- und Weiterbildungen belegen, mehr, als wir hier nennen können. Dennoch wird Euch, ohne die 3-teilige Prüfung der Vet. Ämter keine Genehmigung erteilt. Musstet ihr euch irgendwann einmal vor dem Veterinäramt erklären, tierschutzwidrig gearbeitet zu haben? Vielleicht auch ungerechtfertigt?

Monika Artz (rechts im Bild) bei der Arbeit

Monika Artz (rechts im Bild) bei der Arbeit

Monika:
Nein, nie, in den 10 Jahren meiner Tätigkeit
Mona:
Niemals.

RHT: Wie begründen die Ämter eure Nicht-Zulassung? Ich möchte hier tatsächlich „Zulassung“ sagen, wenn es für euch okay ist.

Monika:
Ja, Zulassung ist ok für mich. Keine schriftliche individuelle Begründung, sondern Formbrief mit Zulassungsvoraussetzungen des Vet. Amtes Mettmann, diese erfülle ich nicht – laut Aussage meines Amts.
Mona:
In Kurzform? Durch meine Ausbildung zur „Zootierpflegerin“ hätte ich in einigen relevanten Themenbereichen mein Fachwissen vor der IHK Augsburg nachgewiesen. Die Ausbildung beinhalte jedoch nicht alle Themenbereiche, die für das fachkundige Führen einer Hundeschule im Sinne des Tierschutzgesetzes von Relevanz seien. Das „Seminar“ (Wortwahl des Veterinär Amts) Hundeerziehungsberaterin beinhalte nur einen Teil der Themen, die bei einer Sachkundeprüfung nachgeprüft werden. Die Seminare umfassten zwar auch Übungen zur praktischen Umsetzung. Es sei jedoch nicht erkennbar, dass eine Prüfung erfolgte.
Die 15-jährige Berufserfahrung sei im Rahmen der Entscheidung zu meinen Gunsten zu berücksichtigen. Vor diesem Hintergrund könne die Erlaubniserteilung nicht aufgrund der eingereichten Unterlagen erfolgen.

RHT: Nun könnte man ja sagen: »Wenn ihr das Wissen habt, wieso stellt ihr euch dem Test nicht?

Monika:
Ich bin der Überzeugung, dass meine gesamte Ausbildung (HEB, Instruktor, interne und externe Weiterbildungen) sowie die gesammelte Erfahrung in den 10 Jahren ein mehr als ausreichender Beleg ist für meine Sachkunde bezogen auf den Tierschutz. Somit stelle ich mich jederzeit sehr gern einem Unterrichtsbesuch des zuständigen AmtsVets und beantworte alle Fragen. Entsprechende Einladungen, auch zum Besuch meiner Workshops, habe ich mehrfach ausgesprochen. Dieses Vorgehen halte ich für gesetzeskonform – ebenso mein Anwalt – eine Prüfung bei Lupologic nicht.
Des Weiteren haben mind. drei Trainer nachweislich eine Zulassung erhalten (eine mit Ausbildung bei Hundewelten, eine mit Ausbildung bei Martin Rütter und Jan Nijboer und eine sogar ohne Ausbildung) anhand einer Einzelfallentscheidung.
Mona:
Die anzuwendende Allgemeine Verwaltungsvorschrift beschreibt sehr deutlich:
12.2.2.2 Die für die Tätigkeit erforderlichen fachlichen Kenntnisse und Fähigkeiten sind in der Regel anzunehmen, wenn die verantwortliche Person
– eine abgeschlossene staatlich anerkannte oder sonstige Aus- oder Weiterbildung absolviert hat, die zum Umgang mit den Tierarten befähigt, auf die sich die Tätigkeit erstreckt, oder
– auf Grund ihres bisherigen beruflichen oder sonstigen Umgangs mit Tieren, beispielsweise durch langjährige erfolgreiche Haltung der betreffenden Tierarten, die für die Tätigkeit erforderlichen fachlichen Kenntnisse hat.
Ich erfülle alle Kriterien, doch das Amt ist seit zwei Jahren nicht fähig, mir eventuelle Defizite zu nennen. Ich möchte zudem betonen, dass ich weder Hunde ausbilde, noch zur Ausbildung anleite. Meine Tätigkeit mit und für Mensch und Hund definiert sich deutlich anders! Daher erwarte ich die Einhaltung der AVV, was bedeuten würde, meine fachliche Kompetenz anzuerkennen. Gerne darf der zuständige Amts Vet. meinem Unterricht beiwohnen und sich in einem Fachgespräch von meinem Kenntnisstand überzeugen.
Ich bin nicht bereit mich dieser Willkür zu beugen und ein „Prüfungssystem“ zu unterstützen, das in meinen Augen höchst fragwürdig ist. Allem voran der D.O.Q-Pro Test der Firma Data Parc. Limited.

RHT: Wurden Euch Strafgelder angekündigt und wenn ja, in welcher Höhe?

Monika:
Nein, bisher nicht, auch mit Schließung wurde nicht gedroht.
Mona:
Nein. Jedoch eine Untersagung der Tätigkeit.

RHT: Wurde Euch mitgeteilt, was euch die Genehmigung seitens des Amts kosten würde?

Mona hat Empathie für Mensch und Hund

Mona hat Empathie für Mensch und Hund

Monika:
Nein, aber mindestens 400 € plus weitere Kosten, die nicht beziffert werden konnten.
Mona:
Nicht, was die Genehmigung kosten würde, nur vage, was eine „Prüfung“ kosten könnte.

RHT: Wie ist derzeit der Stand eurer Genehmigung?

Monika:
Bisher erhielt ich keine Genehmigung. Bestenfalls eine Duldung. Mein Rechtsanwalt ist eingeschaltet.
Mona:
Im April 2015 wurde mein Anwalt eingeschaltet. Im März 2016 war eine Verhandlung vor dem VG. Ergebnis: Antrag auf Berufung OVG gestellt, da meine Klage abgewiesen wurde.

RHT: Mich würde nun interessieren, wie eure emotionale Verfassung ist. Wie geht ihr mit dem Druck um und was hält euch bei Kräften, um euren Weg weitergehen zu können?

Monika:
Bei mir ist es ein stetiges Auf- und Ab. Ich bin bereits 2013 proaktiv auf meinen Amts Vet zugegangen und kämpfe seitdem mal mehr mal weniger aktiv, je nachdem, was vom Amt kommt. Seit März werde ich anwaltlich vertreten, das war eine gute Entscheidung, ich fühle mich sicherer.
Mona:
Ich bin in der glücklichen Lage nicht alleine zu sein und einen Partner an meiner Seite zu haben, der mich unterstützt wo er nur kann, der mir immer wieder Mut zuspricht. Meine Kunden unterstützen mich ebenso, wo und wie sie nur irgend können. Ich bekomme immer wieder schöne Karten, Blumen oder Schokolade für die Nerven. Auch von Kollegen/innen werde ich unterstützt mit solchen netten Gesten und Worten. Was ich nie gedacht hätte, es gibt einen Verband ProHunde, der sich wirklich methodenoffen für uns alle einsetzt über alle Maßen.
Im Vordergrund jedoch ist es meine Tätigkeit und die Hunde, die mir helfen, das alles durchzustehen. Ich liebe es für Mensch und Hund da zu sein und bekomme von den Hunden immer wieder so viel zurück! Das ist unbezahlbar!
Trotz all diesen positiven Dingen, es war und ist unendlich schwer! Körperlich wie auch psychisch zeigten sich schon im ersten Jahr die Folgen. Es geht schließlich um meine Existenz, um mein Lebenswerk. Der Druck ist nicht zu beschreiben und die Energie an manchen Tagen kaum noch aufzubringen.

Monika (HEB und ND® Instruktorin)

Monika (HEB und ND® Instruktorin)

RHT: Ihr seid bei weitem ja nicht die Einzigen, die einen solchen Weg gehen müssen. Habt ihr einen Rat für die Zweifler, die am überlegen sind, sich doch den behördlichen Vorgehensweisen zu stellen?

Monika:
Jeder muss sich für selber entscheiden, welchen Weg er gehen kann und will.

Mona:
Prüft für Euch sehr genau, ob der Weg Eurer Behörde für Euch möglich ist. Überprüft Eure eigenen Kenntnisse, Fähigkeiten und lasst Euch Eure Defizite benennen! Überprüft dies für Euch und handelt dann dementsprechend.
Bedenkt, dass es mögliche Auflagen geben kann und auch, dass es möglich ist, dass genau Eure gute Arbeitsweise aufgrund eventueller Auflagen nicht mehr möglich sein könnte.
Es gibt durchaus Behörden, die sehr vernünftig mit der neuen Ausgangslage umgehen, dann zögert nicht! Unterwerft Euch jedoch nicht der Willkür von Behörden!

RHT: Ich danke Euch für eure Offenheit und wünsche Euch einen erfolgreichen Ausgang in Eurem Sinne.

Monika zeigte uns ein Schreiben ihres Amts, in dem nur bestimmte Institute, zum Teil private Unternehmen, wie die ATN Ausbildung (überwiegend Fernlehrgang), durchaus anerkannt werden. Jedoch nicht die von Jan Nijboer, obwohl seine Ausbildung sehr umfangreich und fundiert das Wissen über Hunde und die Erziehung / das Training vermittelt. In der Schweiz sind beide Ausbildungen staatlich anerkannt.

Wir möchten an dieser Stelle darauf hinweisen, dass die HEB Ausbildung bei Jan Nijboer knapp 2 Jahre dauert und mehr als nur ausreichend ist. Zudem wird der Leistungs- und Wissenstand der Teilnehmer sehr wohl überprüft und Herr Nijboer erklärte sich längst bereit, Vet. Ämtern Rede und Antwort zu stehen, sollte es Fragen zur Qualifikation seiner Absolventen geben.

Monika und Mona sind zwei weitere Beispiele für die ungerechte Praxis bei der Umsetzung des Genehmigungsverfahrens nach §11 des Tierschutzgesetzes. Bedenkt man zudem, dass dieses Gesetz zum Schutz des Tieres geändert wurde, sollte sich ein jeder Betroffene, und dazu zählen wir auch die Hundehalter, fragen, wie das im Sinne des Hundes sein kann.

Nachtrag: Mona Göbel erhielt am 19. Juni 2017 ihre Erlaubnis weiterhin gewerblich arbeiten zu dürfen. Endlich - nach 3 Jahren "Kampf", Gerichts- und Berufungsverfahren, Klagen und Gegenklagen. Wir gratulieren Mona herzlichst!

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