Wenn Obrigkeiten ihre Macht ausspielen | Rat Hund Tat
Wenn Obrigkeiten ihre Macht ausspielen

Quelle: Hajo Czirske, 1. Vors. ProHunde

Wenn Obrigkeiten ihre Macht ausspielen

Das Thema um den §11 Abs. 1 Nr 8f des Tierschutzgesetzes bleibt weiterhin aktuell. Wir berichteten bereits mehrfach über die Gesetzesänderung, Vorschriften und die Probleme, die aus ihm resultieren.

Mit dieser Schilderung möchten wir die Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen, wie die Praxis der Genehmigungsverfahren aussieht. Mit welchen Schwierigkeiten die Betroffenen zu kämpfen haben und wieso „Genehmigt nach Paragraph 11 Abs. 1 Nr. 8f" nicht zwingend ein Qualitätssiegel ist.

Rat-Hund-Tat ist ein methodenfreier Ratgeber für den Hundehalter. Daher halten wir es für relevant, über das diskriminierende Verhalten seitens der Ämter aufzuklären. Die unsachliche Bürokratie erscheint rechtswidrig und ist ungerecht. Mit dieser Vorgehensweise verlieren nicht nur Menschen ihre Existenzgrundlage, sondern auch Hundehalter werden es schwer haben eine passende Hundeschule zu finden, da es sie schlichtweg nicht mehr gibt.

Seit mehr als drei Jahren kämpfen zahlreiche Hundetrainer um ihre Existenzgrundlage.

In dieser Zeit ließen einige Ämter ihre Antragsteller auf Zulassung über die Klinge springen oder hüllen sich in Schweigen. Nur wenige Ämter lenkten bei dem einen oder anderen Trainer ein, aber immer unter Betonung es handle sich um eine Ausnahme, wobei dann im ungünstigsten Fall eine befristete Genehmigung ausgestellt wurde.

Die Überprüfung der Qualifikation von Hundetrainern erfolgt durch Tierärzte.

Die meisten Veterinärämter verlangen von den Antragstellern einen Beleg der Ausbildung bei der IHK oder von der Tierärztekammer Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz bzw. Niedersachsen. Nun, die IHK bildet zumindest Hundetrainer aus, im Gegensatz zu den Kammern. Hier sollte sich das Amt die Frage stellen, wie eine Institution eine Prüfung abnehmen kann, wenn sie nicht einmal ein Ausbildungsprogramm anbietet. Und was veranlasst die Behörden zu glauben, dass Tierärzte die Qualität der Berufsgruppe der Hundetrainer überprüfen könne? Vergleichbar dazu wäre, wenn Ärzte die Kompetenz von Lehrkräften kontrollierten.

Eines der Hauptprobleme ist die Vorgehensweise der Ämter bei der Umsetzung der Zulassungsverfahren, obwohl es sich um ein Bundesgesetz handelt. Bei einem Bundesgesetz, so sollte der Bürger zumindest annehmen können, verläuft das Prozedere bei allen Ämtern, in jedem Bundesland gleich. Doch bei diesem Gesetz gibt es nicht nur gravierende Unterschiede zwischen den Bundesländern. Selbst innerhalb eines Bundeslandes agieren die Ämter ungleich, was die Ungerechtigkeit noch weiter verstärkt.

So werden bei einigen Ämtern private Ausbildungsinstitute anerkannt oder den Antragstellern zumindest der umstrittene D.O.Q-Test (ein online single choice Test, von Tierärzten entworfen) erlassen. Zur Klärung fachlicher Kompetenz erfolgen ein Gespräch und eine Unterrichtsbegutachtung. Andere Ämter hingegen drohen mit der sofortigen Schließung, sollte ein Antragsteller den Test verweigern. Für sie kommt eine Einzelfallentscheidung von vornherein nicht infrage. Die Schließung einer Hundeschule bedeutet für den Antragsteller, da er ja gewerblich arbeitet, eine Vernichtung seiner Existenzgrundlage. Wehrt sich der Betroffene dagegen, drohen die Ämter mit Strafgeldern bis in den fünfstelligen Bereich.

Eine Ausnahme bilden hier approbierte Tierärzte. Sie brauchen keine spezielle Ausbildung, um gewerblich als Hundetrainer arbeiten zu dürfen, und werden bisher ohne weitere Überprüfung zugelassen. Na klar, denn für einen praktizierenden Mediziner ist es ein Kinderspiel, Schüler auf ihr Abitur vorzubereiten.

Verband professioneller Hundetrainer "Pro-Hun.de"

Wir erkundigten uns 2016 bei Pro-Hun.de, dem ersten Berufsverband professioneller Hundetrainer in Deutschland, der sich aufgrund des gesamten Prozedere gründete. Unsere Umfrage bei 53 Mitgliedern ergab, dass 17 keine Genehmigung erhielten, obwohl sie über eine qualifizierte Ausbildung durch ein privates Institut und / oder durch Teilnahmen an Seminaren, Fort- und Weiterbildungen ihre Fachkompetenz belegen können. Zudem besitzen fast alle Befragten viele Jahre Berufserfahrung, zum Teil mehr als 14 Jahre, ohne je dabei gegen das Tierschutzgesetz verstoßen zu haben. Selbst den »alten Hasen« der Branche wird kein Bestandsschutz gewährt.

Streben nach Monopolstellung?

12 Mitglieder erreichten durch ihren Widerstand gegen die Bürokratie eine Einzelfall Entscheidung, bei der das zuständige Amt in einen Unterrichtsbesuch und Fachgespräch die Qualifikation kontrolliert, und daraufhin ihre Zulassung. Für das Fachgespräch forderte das Amt einen externen Sachverständigen (wiederum ein Tierarzt) an, vermutlich, weil der Amtstierarzt aufgrund seines Studiums die Fachkompetenz des Antragstellers nicht beurteilen kann. Eine gänzlich unverständliche Vorgehensweise. Zum Einen kostet es den Betroffenen unnötig Geld. Zum Anderen sollte doch, bevor ein Gesetz geändert wird, sichergestellt sein, dass die ausführenden Organe mit dem Thema und der Durchführung vertraut sind.

Gerade einmal acht Trainer erhielten ihre Genehmigung infolge ihrer Ausbildung an einem privaten Institut. Und fürwahr konnten sechs Trainern ohne Ausbildung, eine Legitimation erzielen. Zwei der befragten Mitglieder sind aufgrund von IHK oder Tierärztekammer Nachweise zugelassen und acht infolge der 3-teiligen Prüfung.

Auch wenn 53 Trainer nicht repräsentativ für Deutschlands Hundetrainerwelt ist, zeigt es doch, wie grotesk das Zulassungsverfahren verläuft. Denn wenn mehr als 1/3 der Trainer trotz Qualifikationsnachweis keine Genehmigung bekommt, kann es hier nicht mit rechten Dingen zugehen. Ein Beweis dafür liefern die Einzelfall Entscheidungen, die mit Hilfe eines Rechtsbeistandes erreicht wurden.

Grundsätzlich befürworten alle Befragten die Kontrolle der Praxis von Hundetrainern und Hundeschulen.

Da der §11 Abs. 1 Nr. 8f ein Auszug aus dem Tierschutzgesetz ist, darf es sich bei der Kontrolle nur um tierschutzwidriges oder tierschutzkonformes Arbeiten drehen. Daher bemängeln die Betroffenen zurecht, dass Vereinstrainer von dieser Kontrolle ausgegliedert sind.

Mit dem Berufsverband der professionellen Hundetrainer, pro-Hun.de, die überaus engagiert und unermüdlich für mehr Gerechtigkeit kämpft, hat sich immerhin einiges bewegt.

So erhielt der erste Vorsitzende des Verbands, Hajo Czirski, nach einem halben Jahr ein Antwortschreiben eines Amts aus Niedersachsen (wir können zu diesem Zeitpunkt noch nicht veröffentlichen, um welches Amt es sich handelt, da der Vorgang noch nicht in Gänze abgeschlossen ist). In diesem Brief wurde schriftlich bestätigt, dass die tierschutzgerechte Ausbildung eines Hundes kein Bestandteil des Veterinärstudiums sei und somit natürlich die Fachkenntnisse als Hundetrainer eines Tierarztes durchaus überprüft werden müssten.

Bayern räumte in einem Schreiben ein, dass der Paragraph sich auf Personen bezieht, die ihre Tätigkeit neu aufnehmen. Somit sei es unverhältnismäßig, dürfe eine seit vielen Jahren ausübende Person plötzlich nicht mehr arbeiten. Bei ihr nehme man die fachliche Kompetenz an.

Selbst ein Gerichtsurteil aus Niedersachsen, dass eindeutig darauf hinweist, dass die Vorgaben, nur die IHK oder die Kammern anzuerkennen, rechtswidrig seien und private Institute mit einbezogen werden müssen, wird von vielen Ämtern ignoriert. Bei den zuständigen Behörden stoßen diese aussagekräftigen Schreiben auf Desinteresse und Ignoranz, was einen Missbrauch der Amtsmacht vermuten lässt.

Die Opfer der Bürokratie finden im Berufsverband professioneller Hundetrainer pro-Hun.de Hilfe und Unterstützung.

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