Pubertätsphase | Rat Hund Tat
Pubertätsphase

Pubertätsphase

Die Pubertät eines Welpen setzt ca. ab dem 7. Lebensmonat ein und kann sich bis zum 2. Lebensjahr ausdehnen.

Die Länge der Pubertätsphase ist abhängig von der Größe der Hunderasse und dem Charaktertyp des Hundes. Während der nächsten Monate wird der Welpe immer wieder Phasen haben, in denen er „verrückt“ spielt. Der Grund dafür sind die Hormone, die in der Pubertätsphase den Körper und Geist des Welpen schubweise fluten.

Der Welpe entwickelt sich zu einem jungen Erwachsenen (Juvenilen).

Diese Phasen sind vergleichbar mit denen unserer menschlichen Teenager. Um als Erwachsener weiterhin ernst genommen werden zu können, wäre Druck in der Erziehung kontraproduktiv. So wie Teenager sich nur schwerlich zu etwas zwingen lassen, folgen Hunde ebenfalls keinen Zwang basierenden Befehlen. Davon einmal abgesehen bestünde der Lernerfolg nicht auf der Tatsache von Verstehen.

Erhielt ein Welpe bis zur Pubertätsphase eine souveräne und konsequente Erziehung, werden die einzelnen Hormonschübe tolerierbar bleiben.

Beginnt der Mensch erst ab diesem Zeitpunkt mit der Erziehung, wird es in dieser Phase zu »Auseinandersetzungen« zwischen Mensch und Hund kommen. Der Mensch sollte sich nicht scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um von nun an die Entwicklung des Hundes in gewünschte Bahnen lenken zu können.

Bisher folgsame Junghunde vergrößern nun die Distanzen im Freilauf.

Rückruf oder andere Signale des Menschen werden ignoriert oder scheinen gänzlich in Vergessenheit geraten zu sein. Die Pubertierenden zeigen mehr Selbstständigkeit, sie nabeln sich ab. Gelerntes wird durch Selbstlernprozesse ausprobiert und verfeinert. Denn mit der hormonellen Reife setzt zeitgleich die geistige Ausreifung ein. Die Pubertätsphase ist jedoch lang genug, um die Entwicklung des Hundes weitsichtig zu beeinflussen.

Rückrufprobleme in der Pubertät

Rückrufprobleme in der Pubertät

Das Verhalten der Juvenilen wird durch die einsetzenden Hormone beeinflusst.

Bei Fehlverhalten des Hundes sollte der Mensch nicht mit Bestrafung reagierten. Seitens des Hundes handelt sich eher um ein »nicht können« als um ein „nicht wollen«. Das erzieherische Vorgehen des Hundebesitzers ist in der Pubertätsphase eine Gratwanderung von Ignoranz, Toleranz und Konsequenz.

Durch das einströmende Östrogen und Progesteron bei den Hündinnen, kann es auch zwischen zwei befreundeten selbstbewussten Juvenilen zu Zank und Streit kommen. 

Vor, während und nach der ersten Läufigkeit verhalten sich einige Hündinnen schüchtern und skeptisch gegenüber fremden Artgenossen. Bei andere Hündinnen zeigt über ihr Löseverhalten eine ausgeprägte Territorialität. Sie verteidigen auf aggressive Weise ihr Revier und bestehen auf die Einhaltung ihrer Individualdistanz. Territorialverhalten, die Gunst eines Rüden, Sicherung eines männlichen Hundehalters oder der Kinder der Familie können Gründe für ihr Verhalten sein.

Keinesfalls hat das Verhalten etwas mit menschlich erklärter Eifersucht zu tun. Hündinnen denken dabei zukunftsorientiert. Eine juvenile Hündin möchte ein freies Revier für die Jagd, um ihre zukünftigen Welpen versorgen zu können. Zudem braucht sie für ihren kommenden Nachwuchs, unabhängig davon, ob sie tragend ist, ein sicheres Territorium. Eine Hündin weiß, dass ihre Welpen keinen Welpenschutz gegenüber fremden Artgenossen haben.

Der Mensch sollte seiner Hündin zeigen, dass er für die Sicherung der Gruppe und des Territoriums zuständig ist.

Bei Fremd-Hundebegegnung sollte erst der Mensch Kontakt zu dem anderen Hund aufnehmen, während sein Hund im Hintergrund wartet. Durch das Vorbildverhalten bringt der Hundehalter zum Ausdruck, dass keine Gefahr besteht. Zudem wird der Hundehalter bereits hierbei merken, ob seine Hündin überhaupt Kontakt zu dem fremden Artgenossen wünscht.

Distanzunterschreitung bei Hunden

Distanzunterschreitung bei Hunden

Bei schüchternen Hündinnen kann sich das zurückhaltende Verhalten gegenüber fremden Artgenossen verstärken.

Der Mensch sollte die Ängstlichkeit seiner Hündin akzeptieren und sie nicht zum Spiel mit anderen Hunden zwingen. Um der Hündin mehr Selbstvertrauen zu vermitteln, kann der Hundehalter seinen Hund mit Problemlösungsaufgaben statt Freilauf auslasten. In ruhiger und vertrauter Umgebung geübt, wird die Hündin, mit jedem Problem, was sie selbst löst, selbstsicher.

Für jede Hündin ist es wichtig, dass ihr Sozialpartner aufdringliche Rüden von ihr fernhält.

Keine Hündin sollte sich in der Läufigkeit dazu genötigt fühlen, einen Rüden wegbeißen zu müssen. Der Schutz der Hündin obliegt dem Hundehalter. Überlässt der Mensch den Selbstschutz seiner Hündin, kann das zukünftig eine grundsätzliche Intoleranz gegenüber Rüden zur Folge haben.

Rüden praktizieren, infolge des einsetzenden Testosterons, in der Pubertätsphase häufig Kommentkämpfe.

Dabei stehen sie auf den Hinterbeinen und stützen sich mit den Vorderbeinen aneinander ab. Diese Kämpfe werden oftmals mit lautem knurren und grollen begleitet. Stehen zwei juvenile Rüden in einem solchen Schaukampf, muss der Mensch nicht sofort eingreifen. Diese Kämpfe dienen dazu, dass die juvenilen Rüden ihre Fähigkeiten aneinander ausprobieren können. Sie lernen sich selbst besser kennen und üben für eventuelle Ernstfälle, aber auch, wie sie Konflikte vermeiden, bzw. entschärfen.

Hundehalter sollten die Kommentkämpfe genau beobachten. Denn natürlich können sich Schaukämpfe auch zu ernsteren Auseinandersetzungen entwickeln. Dazu kommt es jedoch eher bei Jungrüden, die sich unbekannt sind. Im Beisein einer deckbereiten Hündin kann es auch zwischen »Kumpeln« zu ernsthaften Streitigkeiten kommen. 

Rüden neigen in der Pubertät dazu, ihre weiblichen Sozialpartner besonders zu schützen.

Insbesondere Schwangere und Frauen mit Kindern dürfen sich auf einen verteidigungsbereiten Jungrüden einstellen. In einem intakten Hunderudel wäre die Sicherung der weiblichen Sozialpartner und des Nachwuchs Aufgabe der Rüden. Da sich der männliche Juvenile nun zu einem erwachsenen Rüden entwickelt, übernimmt er diese Aufgabe, wenn seine Menschen es ihm erlauben. 

Um dem vorzubeugen, sollte der Hundehalter vor allem das Territorialverhalten des Rüden eindämmen, in dem er Lösestellen vorgibt oder Markierverhalten verhindert. Scharrt der Mensch mit seinen Füßen über die Pipistelle des Rüden, simuliert er damit ein darüber markieren.

Für den Hundehalter gilt in der Pubertätsphase, die Aufgaben entsprechend der Konzentrationsleistung des Juvenilen anzupassen.

Merkt der Mensch, dass seine Ansprüche an den Hund zu hoch sind, wird im Training mit einfacheren Aufgaben geübt.

Bei Juvenilen, die eine eindeutige Abnabelung vom Menschen zeigen, können hin und wieder Aufgaben gestellt werden, die der Hund nur mit Hilfe seinen Menschen lösen kann.

Problemlösungsaufgaben für Hunde

Problemlösungsaufgaben für Hunde

Ungehorsam oder Ignoranz des Hundes werden in der Pubertätsphase mit sanfter Konsequenz beantwortet.

Lehnt der Hund eine kooperative Arbeit ab, ist es seine Entscheidung. Übungen werden unfertig beendet, der Hund bekommt eine Auszeit. Nach einer Pause, die von Minuten bis Stunden gehen kann, wird die gleiche Übung erneut angeboten. Entscheidet der Hund immer noch, dass er nicht gewillt ist mitzuarbeiten, darf er für den Rest des Tages ruhen. Er bekommt kein alternatives Beschäftigungsprogramm angeboten.

Eine Auszeit zeigt dem Hund, dass nicht er die Spielregeln aufstellt, sondern sein Mensch.

Hunde, die es gelernt haben, dass ihre Menschen sich ausgiebig mit ihnen Beschäftigen, genießen die Aufmerksamkeit ihrer Sozialpartner. Lehnen sie eine gemeinsame Beschäftigung ab, lernen sie die Konsequenzen ihrer Entscheidung kennen. Wichtig dabei ist, dass der Mensch die Möglichkeiten seines Hundes einschätzen kann. Er sollte erkennen können, mit welcher Begründung der Hund eine kooperative Arbeit ablehnt. Ist es das Umfeld, was ihn stört? Ist die Aufgabe zu einfach oder zu schwer? Sorgt ein Hormonschub für mangelnde Aufmerksamkeit? Findet der Mensch eine plausible Begründung, kann er seinem Hund eine Übung anbieten,  bei der er weiß, dass sein Hund die ausführen kann. Beispielsweise ein Abschalttraining oder eine Übung im sicheren Garten. So bleibt die Freude an der gemeinsamen Beschäftigung erhalten.

Abschalttraining im Garten

Abschalttraining im Garten

Einen pubertierenden Hund dazu zu zwingen, die Anweisung seinen Menschen zu befolgen, ist nur selten von Erfolg gekrönt.

Der Mensch lässt sich auf eine Diskussion mit seinem Hund ein, von der er den Ausgang nicht kennt. Doch mit Teenagern zu diskutieren ist nervenaufreibend. Bevor der Mensch sich über seinen Hund ärgert, sollte er versuchen Verständnis für seinen pubertierenden Hund aufzubringen.

Der Hundebesitzer sollte in der Pubertätsphase seinem eingeschlagenen Weg treu bleiben. Bei den Übungen wird mehr auf Qualität denn auf Quantität gesetzt, um bereits Erlerntes zu festigen. Zudem sollte er zubilligen, dass sein Hund sich durch die Hormonschübe selbst neu kennenlernt. Die Pubertätsphase ist auch für den Hund eine Zeit der Veränderung. Sein Verhalten, gleich welcher Art, dient keinesfalls dazu, seinen Menschen in Missstimmung zu bringen.

Bleibt der Hundehalter einfühlsam aber konsequent, zeigt er Vorbildverhalten und lässt sich nicht auf Diskussionen ein, ist auch die Pubertät zu meistern.

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