Rudelordnungsphase | Rat Hund Tat
Rudelordnungsphase

Rudelordnungsphase

In dem Zeitraum ab 13. / 16. Lebenswoche bis ungefähr dem 7. Lebensmonat durchlaufen Welpen die Rang- und Rudelordnungsphase.

Unter Hundehaltern wird gesagt, dass Hund und Mensch kein Rudel bilden können. Konkret betrachtet ist es auch so, denn ein Rudel besteht immer aus Blutsverwandten. Dennoch schließen sich auch nicht blutsverwandte Hunde zu einer Sozialgemeinschaft, einem Rudel, zusammen. Die Interaktionen der Welpen und Hunde in einem »zusammengewürfelten« Rudel können ebenso in einer Sozialgemeinschaft von Mensch und Hund beobachtet werden. Daher benutzen wir das Wort »Rudel« für die Sozialgemeinschaft von Mensch und Hund.

Jede Sozialgemeinschaft lebt in hierarchischen Strukturen, ganz gleich welcher Spezies sie angehören. Die Hierarchie gibt vor, wer das Rudel führt und wie die Aufgabenverteilung aussieht.

In einem Hunderudel gibt es keine Demokratie. 

Die ranghohen Sozialpartner übernehmen die Verantwortung für die Sicherheit und Lebensressourcen der Gruppe. Sie fällen Entscheidungen zum Wohle des Rudels und berücksichtigen dabei die Bedürfnisse aller Familienmitglieder.

Die Verantwortung des Rudelführers ist anspruchsvoll und fordert dauernde Aufmerksamkeit. Daher wird die Aufgabe nur von einem souveränen, lebenserfahrenen Individuum übernommen.

Die Rudelordnungsphase ist ein Lebensabschnitt in der Erziehung.

Die Welpen lernen ihren Status in der Gruppe und ihre Aufgaben für die Gruppe kennen. In der Rudelordnungsphase wird von den Hundeeltern bereits festgelegt, welcher Welpe später die Rudelführung übernimmt. Sie erziehen demnach zukunftsorientiert.

Innerhalb eines Hunderudels beginnt die Rudelordnungsphase als vorläufige Wurf-Rangordnungsphase mit der 3. Lebenswoche. Zwischen der 13. und 16. Lebenswoche ist die Wurf Rangordnungsphase endgültig. Nach Abschluss dieser Phase ist die Positionierung des Hundes in der Rudelhierarchie festgelegt.

Rangordnung im Rudel

Rangordnung im Rudel

Für eine Mensch-Hund-Beziehung beginnt die Rudelordnungsphase mit ungefähr der 13. Lebenswoche des Welpen.

Es ist die Zeit, in der sich das strukturierte Leben von Mensch und Welpe festigt. Sie legt die Rangfolge, die Hierarchie, der beteiligten Sozialpartner fest, in der jedes Familienmitglied eine bestimmte Aufgabe erfüllt.

Ohne Rangfolge gäbe es keine Ordnung im Rudel, was zwangsläufig zu Missverständnissen und Streitigkeiten führt.

Die Harmonie der Gruppe wäre instabil, was die Sozialgemeinschaft stört und verwundbar macht. In einem vom Menschen strukturiertem Rudel orientieren sich Hunde an ihrer Bezugsperson, wenn der Mensch vorausschauend und zuverlässig handelt.

Vorheriges Handeln oder Nicht-Handeln des Menschen vermittelte dem Welpen seinen Status in der Familie. Bei mangelhafter Erziehung bemerkt der Mensch nun, dass sein zuvor süßer Welpe zu »Aufsässigkeit« gegenüber menschlicher Anweisungen neigt. Doch auch bei guter Erziehung stellen Welpen die Anweisung ihrer Menschen hin und wieder in Frage. Stellt ein Hund fest, dass sein Mensch keine Führungskompetenz besitzt oder sie nicht gewissenhaft genug ausführt, wird er die Aufgabe übernehmen. Selbst, wenn er sich dafür nicht eignet. Die wenigsten Welpe oder Hund sind die geborenen Rudelführer.

Kooperation führt zur Koexistenz

Kooperation führt zur Koexistenz

In der Rudelordnungsphase soll der Welpe die Vorteile und den Nutzen der Rangordnung kennenlernen.

Die Hartnäckigkeit, die ein Welpe beim Nicht-Gehorchen an den Tag legen kann, ist von seinem Charaktertyp und seiner Genetik abhängig. Er sollte nun lernen, dass eine Kooperation zur Koexistenz führt, was ihm die volle Integration in das Rudel ermöglicht. Der Mensch zeigt dem Welpen, dass seine Handlungen und Entscheidungen Konsequenzen nach sich ziehen. Zeigt der Welpe dominantes Verhalten gehört das zu einer ganz normalen Entwicklung.

Keinesfalls handelt es sich um einen dominanten Hund, nur weil er dominantes Verhalten zeigt.

Vielmehr ist es ein Versuch, seinen Menschen in Diskussionen zu verwickeln, um soziale Kompetenz zu entwickeln. Der Mensch klärt derartiges Verhalten über Kommunikation und nicht über Aggression. Denn als Vorbild und Rudelführer sollte der Mensch gelassen und souverän auftreten. 

Bei Welpen ist es ein entwicklungsbedingtes Verhalten, dem der Mensch gelassen gegenüberstehen kann, wenn er seinen Hund artgerecht erzieht. Kleinere Frechheiten oder Ungehorsam gehören ebenso zur Persönlichkeitsbildung wie Gehorsam und Kooperation.

In der Rudelordnungsphase zeigen einige Welpen deutliche Skepsis gegenüber fremden Menschen oder Dingen. Die Lernprozesse sollten auf die persönlichen Defizite des Welpen angepasst werden, um ihm die erweiterte Integration in die menschliche Gesellschaft zu ermöglichen. Für Menschenskeptiker wäre jetzt die Zeit für gezielt angeleitetes Menschentraining.

Der Mensch achtet in der Rudelordnungsphase genau auf das instinktive Rassen bedingte Verhalten seines Welpen.

Das Territorialverhalten wird kommentiert, das Jagdverhalten wird in gewünschte Bahnen gelenkt (z.B. Ersatzbeute) und / oder präzisiert und perfektioniert. Zur Erweiterung der Frustrationsgrenze werden dem Hund Problemlösungsaufgaben gestellt, die er nur mit Hilfe seines Menschen lösen kann. Das formt und fördert seine Steadiness und erweitert seine Konzentrationsphase. Zudem lernt der Welpe die Hilfe seinen Menschen schätzen.

Das Ergebnis der Rang- oder Rudelordnungsphase ist nahezu unumstößlich.

Die Positionen in der Hierarchie der Sozialgemeinschaft sind eindeutig festgelegt. Bei artgerechter Hundeerziehung wird der Welpe nur zeitweilig gegen Regeln verstoßen. Er strebt keine »Machtübernahme« an, wenn er sich bei seinem Menschen sicher, beschütz und umsorgt fühlt.

Regelverstöße entstehen vielmehr aus den Hormonschüben, die ein Welpe zum Junghund werden lässt.

Die Hormonschübe blockieren die Konzentration des Welpen. Die Folge daraus ist, dass der Welpe oft nicht auf bereits gelerntes zurückgreifen kann. Er wirkt vergesslich und sehr häufig kann der Mensch seinem Welpen ansehen, dass auch ihn das zur Verzweiflung bringt.

Doch es sind nur Schübe, die auch wieder vorbei gehen. Sie sind der Übergang in die Pubertät.

Regelverstöße durch Hormonschübe

Regelverstöße durch Hormonschübe

Sollte es zu einer Hierarchieverschiebung von Mensch und Hund gekommen sein, passiert das häufig aus Unwissenheit.

Dem Menschen war nicht bewusst, wie die Führung eines Hundes aus hündischer Sicht aussehen sollte. Er übertrug seinem unerfahrenen Hund das Rudelmanagement, was zu einer Überforderung führte. Um den Status des Menschen zu stärken, sollte er sich in professionelle Hilfe begeben. Entwickelt der Mensch eine gemeinsame Sprache mit seinem Hund, beugt er neuen Missverständnissen vor. Beweist der Mensch, dass er die Kompetenz eines Ranghohen besitzt, ist es eine Frage von Konsequenz und Zeit, um die Hierarchieverschiebung zu korrigieren.

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