Apportieren | Rat Hund Tat
Apportieren

Apportieren

Mit dem Hund durch die Natur zu streifen ist entspannend, erholsam und macht jedem Hundebesitzer Freude, sofern Mensch und Hund wirklich gemeinsam unterwegs sind.

Hunde die sich jedoch verselbstständigen, ihren Interessen nachgehen oder auf den Rückruf des Besitzers nicht reagieren, verstimmen so manchen Hundebesitzer. Der Spaziergang wird zum Spießrutenlauf, der für beide Beteiligten alles andere als eine erholsame Freizeitbeschäftigung ist.

Das Jagen nach „Beute“ (Wild, Pferdeäpfel, o.Ä.), das Verjagen von „Eindringlingen“ (Jogger, Fahrradfahrer, andere Hunde o.Ä.) und andere Formen der Selbstunterhaltung treten häufig bei unter- oder überforderten Hunden auf.

Hunde langweilen sich nicht, sie suchen sich eine Beschäftigung oder übernehmen eine Aufgabe.

Der Hundebesitzer kann hier Abhilfe schaffen, indem er sich während des Spaziergangs intensiv mit seinem Hund beschäftigt. Ergibt die Beschäftigung zudem einen hündischen Sinn, ist sie artgerecht und arttypisch, kann aus dem alltäglichen Spaziergang eine gemeinsame Aktivität werden. Der Mensch wird für den Hund interessanter, also gibt es einen guten Grund auf jenen zu achten und ihm zu folgen.

Apportieren ist eine Variante, den Hund nahezu artgerecht zu beschäftigen. Bei Hunden, die von sich aus gerne apportieren und bereitwillig mit ihrem Menschen arbeiten, können beliebige Gegenstände zum Apportieren genutzt werden. Bei sehr erwachsenen Hunden kann es notwendig sein, dem Apportl einen Sinn zu geben. Hier wäre der Einsatz von Futtersäcken oder Futterbeutel hilfreich.

Zielsetzung

Durch das Apportieren entsteht zwischen Mensch und Hund eine Gemeinsamkeit, die sich positiv auf die Teambildung auswirkt. Mensch und Hund erleben ihr Umfeld und ihre Unternehmungen miteinander. Der Mensch zeigt sich als spannender Sozialpartner, der dem Hund neue Dinge beibringen kann, die sein Leben bereichern.

Die Intelligenz des Hundes wird trainiert und er wird sowohl körperlich als auch geistig ausgelastet. Erkennt der Hund dadurch seine persönlichen Vorteile, wird er Vertrauen zu seinem Menschen aufbauen und ihm mehr Aufmerksamkeit schenken.

Hinweise

  • Hunde, die das Apportl als ihr persönliches Eigentum betrachten, können bei Kontakt gegenüber Artgenossen sehr unfreundlich werden, wenn ihr Spielzeug in der Nähe ist, auch wenn der Mensch das Spielzeug in der Jackentasche aufbewahrt.
  • Wurde mit dem Hund bisher noch nicht apportiert, muss zunächst das Wort als Signal konditioniert werden. Dazu wird vom Mensch zunächst das Wortsignal Apport! immer dann verwendet, wenn der Hund etwas in die Schnauze nimmt oder darin trägt, etwa ein Holz oder Spielzeug. Das Wort „Apport“ besagt zunächst nur, dass der Hund etwas aufnehmen soll.
  • Hunde finden schnell gefallen an neuen Dingen, wenn sie diese freiwillig ohne Zwang tun dürfen. Der Hund verknüpft das Apportieren mit etwas Positivem nur wenn die Übungen spielerisch aufgebaut werden.
  • Die Abgabe des Apportls sollte ebenfalls freiwillig sein. Besteht der Mensch mit einem Aus! auf die Abgabe, befindet er sich in einer Diskussion mit seinem Hund. Daraus kann eine Fehlkonditionierung entstehen.
  • Sofern noch nicht sichergestellt ist, dass der Hund das Apportl an seinem Menschen abgibt, trägt entweder der Hund eine 5-Meter-Trainingsleine oder das Apportl wird an einer langen Schnur befestigt. Damit hat der Mensch Zugriff auf den Hund oder das Apportl.
  • Zu Beginn der Apportierübungen sollte ein Umfeld gewählt werden, in dem sich der Hund sicher fühlt und der Hund nur wenigen bis gar keinen Ablenkungsreizen ausgesetzt ist.
  • Sollte der Hund bei den Übungen um das Apportl mit seinem Menschen zu streiten beginnen, ist es ratsam professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Mensch-Hund Beziehung sollte zunächst genau analysiert werden.
  • Die Varianten des Apportierens sind vielfältig. Gerade zu Beginn sollten die Übungen einfach sein, damit Hund und Mensch einen schnellen Erfolg erleben. So entsteht beim Hund eine besonders positive Verknüpfung zu der Tätigkeit. Der Mensch braucht sich nicht über ein Nicht-Gelingen zu ärgern und kann den gleichen Spaß entwickeln, wie sein Hund es tut. Erweitert der Hund seine Fähigkeiten, dürfen die Übungen abwechslungsreicher und schwieriger gestaltet werden.
  • Vor allem Welpen und Junghunde neigen dazu während eines Spaziergangs ständig Dinge vom Boden aufzuheben. Die Ursache dafür ist das arttypische Beuteverhalten von Hunden. Dieses kann sich der Mensch zunutze machen, um den Hund auf ein späteres Apportier-Training vorzubereiten. Junge Hunde sind sehr stolz auf sich, wenn sie „Beute“ gemacht haben. Hier kann bereits das Signal Apport! eingeführt werden. Er sollte dazu animiert werden, die Beute an seinen Menschen abzugeben, um zu kontrollieren was gefunden wurde. Wird der junge Hund für sein Verhalten geschimpft, entsteht eine Fehlkonditionierung.

Übungsaufbau Variante 1 für Anfänger

Mensch und Hund befinden sich auf einem passenden Übungsgelände. Der Hund sitzt neben seinem Menschen, falls notwendig trägt der Hund eine 5m Trainingsleine. Der Mensch wirft das Apportl ca. 3 Meter nach vorne und schickt den Hund, unmittelbar beim Abwurf, zum Apportieren. Der Hund läuft zu dem Apportl, nimmt ihn auf und kehrt zu seinem Menschen zurück. Der Mensch geht in die Hocke, sofern die Größe des Hundes es erfordert und bietet seine Hand zur Abgabe an. Um eine Frontalbegegnung zu vermeiden, wird die Abgabehand seitlich angeboten, dort, wo sich der Hund einfinden soll. Der Hund sollte das Apportl freiwillig ohne das Signal Aus in die Hand des Menschen übergeben.

 

Mögliches Verhalten und Optionen

Der Hund läuft nicht zum Apportl

  • Der Mensch ist unklar in seiner Körpersprache. Damit signalisiert er dem Hund unwissentlich, dass er sich nicht bewegen soll. Das könnte durch einen direkten Augenkontakt vom Mensch zum Hund hervorgerufen werden, während der Hund das Apport-Signal bekommt.
  • Das Übungsgelände ist unpassend, da der Hund sich unsicher fühlt. Es sollte ein anderes Übungsgelände gewählt werden, evtl. die ersten Übungen im Garten oder sogar in der Wohnung beginnen.

Der Hund läuft los, aber nicht zu dem Apportl. Er interessiert und beschäftigt sich mit anderen Gerüchen

  • Der Untergrund weist zu viele Ablenkungsreize auf. Es wird ein anderes Übungsgelände aufgesucht.
  • Für den Hund ist das Apportl uninteressant und sinnlos. Es wird ein anderes Apportl, z.B. ein Futterbeutel benutzt, um der Übung einen erkennbaren Sinn zu geben.

Der Hund nimmt das Apportl auf und schüttelt es

  • Der Hund zeigt eine typische Tötungssequenz der Beute, was durchaus ein arttypisches Verhalten ist. Kommt der Hund trotzdem zurück, kann das Verhalten zunächst ignoriert werden.
  • Kommt der Hund nicht zurück, wird die Trainingsleine verkürzt und der Mensch geht vorwärts, bis der Hund aufhört zu schütteln. Die Abgabehand wird seitlich angeboten. Erfolgt die Abgabe, wird der Hund lobend bestätigt.

Der Hund läuft zu dem Apportl, nimmt es jedoch nicht auf

  • Das Apportl ist plötzlich uninteressant geworden und der Hund bewegt sich nicht mehr. Um ihm einen neuen Impuls zu geben, wird das Apportl an ein ca. 3 m langes Seil gebunden und daran gezogen. Das Apportl bewegt sich wieder, was bei dem Hund erneut den Jagdinstinkt freisetzt.

Der Hund nimmt das Apportl auf, kommt aber nicht mit diesem zurück

  • Der Hund wird mit Hilfe der Trainingsleine zu seinem Menschen geholt. Die Leine wird langsam und stetig ein Stück kürzer genommen, bis der Hund wieder neben seinem Menschen ist. Dem Hund wird seitlich eine Hand zur Abgabe angeboten.
  • Der Mensch hat direkten Augenkontakt mit seinem Hund, was diesem signalisiert, dort stehen zu bleiben, bzw. sich nicht zu bewegen. Eindeutig ist es, wenn der Mensch in die Hand schaut, wo der Hund das Apportl hinein legen soll.
  • Der Hund versucht das Apportl in Sicherheit zu bringen. Hier sollte zunächst am Vertrauen des Hundes zum Menschen gearbeitet und ein ruhiges und sicheres Übungsgelände aufgesucht werden. Zum Vertrauensaufbau kann professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.

Der Hund lässt das Apportl fallen, während der Mensch ihn ins Bei holt

  • Der Hund wird erneut zum Apport aufgefordert. Nimmt er das Apportl auf und übergibt ihn seinem Menschen, wird er freudig gelobt.

Der Hund nimmt er das Apportl auf und kommt zurück, gibt dieses aber nicht ab

  • Der Mensch verkürzt die Trainingsleine und geht langsam vorwärts. Der Hund muss nun das Apportl tragen, wenn er dieses nicht verlieren möchte. Damit ist das Spiel vorerst beendet. Nach ein paar Schritten bietet der Mensch dem Hund seine Hand zur Abgabe an. Geht der Hund darauf ein, wird er gelobt und das Apportier-Spiel geht sofort weiter.

Übungsaufbau Variante 2 für Fortgeschrittene

Der Hund apportiert bereits zuverlässig. Als Erweiterung der Apportierübungen können zwei Apportl zum Einsatz kommen. Der Hund lernt nun verschiedene Richtungen, wie rechts oder links und vor oder zurück. Dabei richtet sich der Mensch mit dem Signal Apport! zielorientiert zu dem Apportl aus; Körperhaltung, Blick und Handsignal weisen allesamt in die angesagte Richtung.

Mögliches Verhalten und Optionen

Der Hund läuft in eine andere Richtung, als der Mensch angewiesen hat

  • Der Mensch arbeitet nur mit einem Apportl und bringt dem Hund zunächst die einzelnen Richtungen bei. Dabei richtet er sich eindeutig mit seiner gesamten Körperhaltung zielorientiert aus, während er das Wortsignal Apport! erteilt.
  • Der Hund hat sich das zuletzt geworfene Apportl gemerkt. Die Abstände zwischen beiden Apportln werden vergrößert. Der Mensch begleitet den Hund wenige Schritte in die angewiesene Richtung.
  • Der Hund ist diskussionsfreudig. Das Verhalten wird zunächst ignoriert. Der Mensch bleibt weiterhin zielorientiert bei seiner Vorgabe. Kommt der Hund mit dem anderen Apportl zurück, wird das Apportl ignoriert. Der Hund bekommt beständig die erste Anweisung gezeigt. Das kann dafür sorgen, dass er das erste Apportl fallen lässt und der Anweisung folgeleistet. Bringt er das richtige Apportl zurück, wird er lobend bestätigt.

Fehlkonditionierungen

  • Wurden dem Hund bisher Spielzeuge zur freien Verfügung gestellt, kann es sein, dass er ein Apportl nicht übergeben wird, weil er es als sein Besitz ansieht.
  • Streitet der Hund mit seinem Menschen, sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden. Apportierübungen sollten Mensch und Hund Spaß machen und nicht in einen Streit ausarten.
  • Fordert der Hund durch Hochspringen, Bellen, in die Luft schnappen oder sogar Beißen das Apportl ein, wird die Übung sofort beendet. Bitte professionelle Hilfe aufsuchen. Hier sollte eine genaue Mensch-Hund Analyse gemacht werden.
  • Läuft der Hund mit dem Apportl in der Schnauze in Kreisen um seinen Menschen herum, könnte sich der Hund in der Pubertät befinden. So ein angeberisches Verhalten ist dann durchaus normal. Daraus sollte der Mensch zunächst kein Aufsehen machen und es seinem Hund für einen Moment gönnen. Um dieses Gebaren des Hundes zu beenden, wird die Trainingsleine sukzessive verkürzt, bis sich der Hund neben seinem Menschen befindet, damit er das Apportl abgeben kann.
    Hierbei handelt es sich noch nicht um eine Fehlkonditionierung, jedoch kann daraus eine entstehen. Wird das Verhalten des Hundes übermäßig beachtet, lernt der Hund, dass seinem Menschen das Apportl ganz wichtig ist und dieses unbedingt haben möchte. Ein derart verinnerlichtes Verhalten macht Apportieren unmöglich.
  • Traut sich der Hund nicht das Apportl aufzunehmen, könnte es daran liegen, dass er als Welpe oder Junghund für das Aufnehmen von Gegenständen geschimpft wurde.
  • Apportiert der Hund das Apportl und wirft dieses seinem Menschen vor die Füße, kann dieses Verhalten vom Ballspielen kommen. Der Mensch entwickelte sich für den Hund zum Wurfgerät.

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