Leinenführung | Rat Hund Tat
Leinenführung

Leinenführung

Das wohl wichtigste Hilfsmittel im Leben von Menschen mit Hund sind Halsband und Leine.

Einige Hunde benötigen zwar weder noch, aber die meisten Hunde werden mittels Halsband und Leine gesichert oder kontrolliert. Einige Hundebesitzer brauchen die Leine als „Transportmittel“, um ihren Hund nur von A nach B zu bringen. Weder Halsband noch Leine würden benötigt werden, wenn der Mensch so schnell wäre wie sein Hund, dieser seinem Menschen bedingungslos folgen würde und jederzeit und überall abrufbar wäre.

Viele Hunde empfinden die Leine als lästiges Übel.

Für sie stellt es eine räumliche Begrenzung dar, die sie entweder ignorieren oder gegen die sie sich wehren. Verhält sich ein Hund auffällig, unangenehm, rüpelhaft oder aggressiv an der Leine und möchte der Hundebesitzer etwas dagegen unternehmen, sollte zunächst die Ursache geklärt werden.

Leinenführübungen sind anstrengend für Mensch und Hund. Sie können den Hundebesitzer gelegentlich zur Verzweiflung bringen, da sie ihm Geduld und Konzentration abverlangt. Er muss bei diesen Übungen Fingerspitzengefühl entwickeln, um erkennen zu können, was sein Hund als Nächstes tun möchte. Bei der Leinenführung findet ein intensives „Gespräch“ zwischen beiden statt, in dem es um Vertrauen, Sicherheit und Führungsqualitäten geht.

Zur besseren Verdeutlichung finden Sie hier einige Videos zur Leinenführung.

Zielsetzung

Das Ziel der Leinenführübung ist es, mit dem Hund nach und nach mit einer locker durchhängenden Leine überall hingehen bzw. durchgehen zu können. Die Leine wird immer mehr zu einem Kommunikationsmittel zwischen Mensch und Hund.
Der Hund lernt, dass der Mensch ihn souverän führen kann. Bei stets gleichbleibender Konsequenz wird der Hund sukzessive lernen dem Menschen zu folgen, was die Bindung und Beziehung des Mensch-Hund-Teams stärkt und festigt. In für den Hund schwierigen Situationen wird dieser erst den Kontakt zu seinem Menschen aufnehmen, bevor er handelt und sich selbst um das etwaige Problem kümmert.

Führen an lockerer Leine

Führen an lockerer Leine

Hinweise

  • Springt der Hund Menschen an, beginnt Zerrspiele, beißt in die Leine oder schnappt gar nach seinem Menschen während der Leinenführung, sollte vor einer Neukonditionierung eine genaue Analyse des Problems gemacht werden. Diesbezüglich sollte eine qualifizierte Hundetrainerin oder qualifizierter Hundetrainer zu Rate gezogen werden.
  • Bei Hunden die ihre Leine mit negativen Erlebnissen verbinden, sollte zuvor eine positive Verknüpfung erreicht werden. Dazu wird dem Hund immer dann die Leine angelegt, wenn mit ihm etwas Angenehmes gemacht wird, z.B. geschmust, gespielt, gefüttert, o.Ä.
  • Das Training findet in einem reizarmen, gesicherten Umfeld statt, um größtmögliche Konzentration zu erlangen.
  • Für die Übung sollte eine entsprechende Leinenlänge gewählt werden, z.B. eine 5m Leine, damit sie bis zum Boden durchhängen kann, um die Bewegungen an der Leine und dem Karabiner, die der Hund bereits spürt, verhindert werden können. Er soll achtsam sein und nicht seinen Menschen fühlen.
  • Um eine genaue Kommunikation zwischen Mensch und Hund zu ermöglichen, sollte der Hund ein gut anliegendes Halsband tragen. Die Kommunikation findet über den Halsbereich statt, eine sehr sensible Stelle bei Hunden. Daher sind Würgehalsbänder, Ketten, begrenzte Würger und Stachelhalsbänder tabu.
  • Die Übung verläuft nahezu non verbal. Der Hund soll lernen sich optisch an seinem Mensch zu orientieren. Muss er dennoch angesprochen werden, wird mit leiser ruhiger Stimme gesprochen.
  • Der Hund wird optisch ignoriert, d.h. es wird kein Blickkontakt aufgenommen. Falls notwendig wird der Hund aus dem Augenwinkel heraus angesehen. Ausnahmsweise lediglich bei einer bestimmten Fehlkonditionierung.
  • Die Leinenführübungen erfordern sehr viel Konzentration von beiden Teilnehmern. Es ist anzuraten diese Übung eher häufiger statt zu lange durchzuführen. Besser ist es auf hohe Qualität der Ausführung zu setzen, als auf eine lange Dauer der Übung.
  • Die Gedanken des Menschen sollten sich bei seinem Hund befinden. Der Hund spürt in dieser Übung sehr genau ob sich der Mensch konzentriert. Bei einer intensiven Konzentration ist der Mensch in der Lage durch die Leine zu spüren, wohin sich sein Hund als nächstes Bewegen will. Damit kann der Mensch entsprechende Signale, wie Zupfen oder Wegdrehen geben und vor seinem Hund eine Aktion setzen. Nun befindet sich der Hund in der Situation zu reagieren.
Lockere Leine bei Hundebegegnungen üben

Lockere Leine bei Hundebegegnungen üben

Übungsverlauf

Die Übung wird in ruhigen Bewegungen ausgeführt, da zu viel Dynamik zu viel Unruhe in die Übung bringt. Während der Übung hat der Mensch die Handschlaufe und ein bis zwei weitere armlange Schlingen der 5m Leine in einer Hand.
Diese Schlingen verkürzen die Gesamtlänge der Leine und mindern damit den Bewegungsradius des Hundes. Zusätzlich ermöglichen dies dem Menschen durch einen Leinenzupfer dem Hund Signale zu senden, bevor die Leine gespannt ist.

Nach dem Zupfer hängt die Leine direkt wieder locker durch, damit der spürbare Kontakt beendet wird.

Mit der Leine in der Hand geht der Mensch mit aufrechter, aber entspannter Körperhaltung ruhig vorwärts. Er zeigt Souveränität.

Sobald der Hund versucht an seinem Menschen vorbeizulaufen, ihn zu überholen, dreht sich der Mensch zum Richtungswechsel von seinem Hund weg. Folgt der Hund nicht, wird ihm durch ein Leinenzupfer ein Signal gegeben was besagt: „Achte auf mich und folge mir!“
Ignoriert der Hund das Signal, wird der Bewegungsradius des Hundes verkleinert, in dem der Mensch mehr Leinenschlaufen aufnimmt. Die Übung wird wie beschrieben fortgesetzt. Der Mensch geht, ohne auf seinen Hund zu achten, ruhig vorwärts. Wird er von seinem Hund überholt, wechselt er die Richtung - immer weg von Hund drehend.

Es sollte darauf geachtet werden, dass der Hund das Zupfsignal spürt, bevor die Leine gespannt ist. Bleibt der Hund nun näher bei seinem Menschen, wird mehr Leine freigegeben, so dass diese am Boden schleift.

In dieser Phase kann es notwendig sein, dass der Mensch stets damit beschäftigt ist die Leine frei zu geben und wieder aufzunehmen. Das erfordert etwas Übung, wird aber nach einigen Wiederholungen routinierter.

Sobald der Hund seinem Menschen aufmerksam folgt, bleibt dieser stehen. Der Hund soll seitlich, kurz hinter seinem Menschen stehenbleiben. Geschieht dies, wird der Hund lobend bestätigt. Geschieht dies nicht, wird die Übung weiter fortgeführt. Der Mensch bleibt zwischendurch immer wieder stehen. Bleibt der Hund seitlich wie gewollt stehen, sollte die Übung beendet werden - der Hund wird lobend bestätigt.

Mögliches Verhalten und Optionen

Der Hund ignoriert seinen Menschen, reagiert auf kein Signal und geht seinen eigenen Weg

  • Es liegt eine Fehlkonditionierung vor. Es sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden

Der Hund springt seinen Menschen an, beißt in die Leine oder in das Hosenbein des Halters

  • Die Übung sollte sofort beendet werden und professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden. Hier handelt es sich um massive Korrekturen von Hund zu Mensch. Dies bedarf einer genauen Analyse der Mensch-Hund-Beziehung

Der Hund rennt oder stemmt sich in das Halsband und zieht den Menschen in seine gewünschte Richtung

  • Es liegt eine Fehlkonditionierung vor

Der Hund zeigt sich eingeschüchtert, ängstlich und unsicher an der Leine

  • Die Leine ist negativ verknüpft. Es sollte zunächst ein positiver Leinenaufbau erfolgen. Evtl. kann dies notwendig sein, wenn eine neue oder andere Trainingsleine genommen wird

Der Hund kommt auf ein Leinenzupfer kurz zu seinem Menschen, überholt ihn jedoch direkt wieder

  • Es liegt eine Fehlkonditionierung vor

Der Hund versucht stets den gespannten Leinenkontakt aufrecht zu erhalten

  • Es liegt eine Fehlkonditionierung vor

Fehlkonditionierungen

 

  • Flexible Hundeleinen sorgen für dauerhaften spürbaren Kontakt zwischen Mensch und Hund. Der Hund lernt dadurch, dass er dafür sorgen soll diesen Kontakt aufrecht zu erhalten. Lockert sich die Leine und der damit spürbare Kontakt, wird der Hund schneller, um ihn wieder herzustellen.
  • Wurde die Leine bisher nur dafür genutzt, den Hund vom Haus zur Hundewiese, in den Wald, o.Ä. zu bringen, diente sie als Transportmittel. Der Hund hat gelernt, dass die Leine nur für eine bestimmte Wegstrecke eine Bedeutung hat. Sobald er eine Freilaufmöglichkeit sieht, geht er seinen eigenen Interessen nach. Hier sollte an einem adäquaten Beziehungsaufbau und gemeinsamen Unternehmungen gearbeitet werden, bevor Leinenführübungen durchgeführt werden.
  • Ist der Hund der Meinung die Führung der Gruppe, bzw. des Mensch-Hund-Teams übernehmen zu müssen, wird er sich auf die Leinenführübungen nicht einlassen. Er verweigert seinem Menschen den Führungsanspruch und korrigiert ihn massiv, wenn dieser es trotzdem versucht. Hierbei sollten alle Übungen direkt beendet werden und eine professionelle Analyse erfolgen. Ohne diese Analyse kann diese Übung für den Hundebesitzer gefährlich werden.
  • Kehrt der Hund bei jedem Stillstand des Menschen kurz zu ihm zurück, läuft aber direkt wieder los, handelt es sich um ein Verhaltensmuster welches dem Hund beigebracht wurde. Um dieses Verhalten zu modifizieren, bleibt der Mensch weiterhin stehen und wartet bis der Hund sich neben ihm eingefunden hat und Blickkontakt aufnimmt.
    Hierbei sollte der Mensch tatsächlich seinen Blick zum Hund wenden. Der Hund hat bisher gelernt, dass er nur kurz körperlich anwesend sein muss. Seine Gedanken dürfen jedoch anderweitig unterwegs sein. Die neue Konditionierung ist darauf ausgerichtet, dass der Hund sowohl körperlich, als auch mental neben seinem Menschen ankommt.

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