In der Stadt | Rat Hund Tat
In der Stadt

In der Stadt

Ein Hund der bereits dauerhaft in der Stadt lebt, wird sich an sein Umfeld gewöhnt haben. Für ein „Landei“ sind die Reize einer Fußgängerzone enorm und beim ersten Besuch ad hoc kaum zu verarbeiten.

Ein besonderer Reiz, der auf unsere Hunde einströmt sind die sich bewegenden Menschen. Aus den Augen unserer Hunde betrachtet bewegen sie sich unkontrolliert. Sie laufen nicht alle in die gleiche Richtung, rennen gelegentlich, bleiben plötzlich stehen, machen Geräusche mit Tüten und Taschen. Dazu kommen Informationen über Gerüche, die es im ländlichen Lebensraum nicht gibt.

Die Reaktionen auf diese Reize können von Fluchtverhalten bis Aggressionen reichen. Um den Hund daran zu gewöhnen sind gezielte Übungen notwendig. Über Abschalttraining, Desensibilisierung und graduelle Annäherung kann der Hund an dieses Umfeld gewöhnt werden.

Hunde, die im Welpenalter zu ihren neuen Besitzern kommen und nur gelegentlich in die Stadt mitgenommen werden, sollten frühzeitig an die Situationen gewöhnt werden.

Dazu wird der Welpe durch die Stadt getragen, sofern Größe und Gewicht des Hundes dies zulassen. In dieser Zeit können Rolltreppen und Fahrstühle in die Gewöhnungsphase eingebaut werden. Kann der Hund nicht mehr getragen werden, erfolgen Stadtbesuche zunächst an Sonn- und Feiertagen und über Abschalttraining. Die Stadtbesuche werden sukzessive in einer belebteren Stadt erfolgen.

Zielsetzung

Die verschiedenen Übungen haben zum Ziel, dass Mensch und Hund entspannt durch die Stadt kommen. Es ist jedoch zu beachten, dass bei Hunden die nur gelegentlich in die Stadt kommen die Gewöhnung deutlich länger dauert.

Hinweise

  • Eine gute Leinenführigkeit ist Voraussetzung für ein erfolgreiches Stadttraining. Zieht und zerrt der Hund zu allen möglichen Stellen hin, an denen es etwas zu erschnüffeln gibt oder die er markieren muss, wird er sich auf die Übung nicht konzentrieren können. Er sollte bereits gelernt haben, dass der Mensch sein Orientierungspunkt ist, auf den er sich verlassen kann und bei dem er Schutz findet, wenn es notwendig ist.
  • Das Auto, sofern vorhanden, sollte in der Nähe geparkt werden, damit der Hund bei zu viel Stress aus der Situation herausgenommen und in diesen Sicherheitsbereich gebracht werden kann. Beruhigt er sich hier schnell, kann evtl. eine weitere Übung gemacht werden.
  • Die Ablenkung von evtl. Reizen durch Leckerchen ist kontraproduktiv zu dem Training. Es ist wichtig, dass der Hund Reize wahrnehmen und verarbeiten lernt, um später adäquat reagieren zu können.
  • Ist der Mensch in Eile, sollte der Hund möglichst nicht mit in die Stadt genommen werden. Stadttraining ist für Mensch und Hund anstrengend, benötigt Zeit und entsprechende Konzentration. Solange der Hund sich daran noch nicht ausreichend gewöhnt hat, ist die Mitnahme eher kontraproduktiv.

Übungsaufbau

Zu Beginn sollte an einem Sonn- oder Feiertag geübt werden, wenn die Geschäfte geschlossen sind und eher wenige Menschen unterwegs sind. Der Hund kann sich an neue Gerüche gewöhnen, an die Menschen die unterwegs sind und an sein Spiegelbild in den Schaufensterscheiben. Wenn möglich können Apportierübungen und Futtersuchspiele in der Fußgängerzone gemacht werden. Brunnen, Schaufensterbänke, Stufen oder Treppen werden mit eingebaut.

Kann sich der Hund dabei auf die geplante Übung nicht konzentrieren, wird mit Abschalttraining begonnen. Wurde darüber die erste Gewöhnung erreicht, werden dem Hund die Aufgaben erneut gestellt.
Wie häufig Apportiert werden kann oder wie lange die Futtersuchspiele gemacht werden können, hängt von der Konzentration und Gelassenheit des Hundes ab. Ein gutes Timing bei den Übungen ist wichtig, da der Hund nicht überfordert werden sollte, damit er einen positiven Lernerfolg bekommt.

Der nächste Schritt wäre Abschalttraining oder bereits ein Stadtgang am Vormittag, wenn die Geschäfte gerade geöffnet haben. Diese Zeit kann genutzt werden, um einmal durch die Geschäfte hindurch zu gehen, sofern die Betreiber es erlauben. Das Verkaufspersonal ist meist sehr zuvorkommend, wenn Sie ihm erklären, was Sie gerade mit ihrem Hund üben.

Wird vom Hund auch diese Situation gelassen und souverän gemeistert, können Stadtgänge gemacht werden, bei denen beispielsweise die Fußgängerzone deutlich belebter ist. Es sollte dabei sehr genau auf die Stresssignale des Hundes geachtet werden. Es wäre unklug, den Hund an diesem Punkt des Trainings zu überfordern.

Mögliches Verhalten und Optionen

Der Hund zeigt bereits beim Anblick einer leeren Fußgängerzone Fluchtverhalten und versucht sich aus dem Halsband zu befreien

  • Der Hund ist überfordert und hat kein Vertrauen zu seinem Menschen. Die Übung wird abgebrochen. Ist der Hund leicht genug, wird er zurück zum Auto getragen. Ist der Hund zu schwer, wird über Holding der Hund zunächst beruhigt und dann zurück in das Auto gebracht. In beiden Fällen gilt es, professionelle Hilfe zu Rate zu ziehen.

Holding: Der Mensch setzt seinen Hund zwischen seine Knie (evtl. in die Hocke gehen) und umfasst ihn mit beiden Armen. Dabei wird er nicht zwanghaft festgehalten, sondern viel mehr schützend umschlossen. Wichtig ist hierbei, dass der Mensch nun ganz ruhig wird. Er darf keine Sorge um seinen Hund haben, sondern muss emotional gefasst und ruhig sein. Diese Ruhe überträgt sich beim Holding auf den Hund bis er sich beruhigt.

Der Hund zieht und zerrt an der Leine und läuft im zick-zack vor seinem Menschen her

  • Hier ist es notwendig zunächst an der Orientierung auf den Menschen zu arbeiten. Der Hund sichert mit diesem Verhalten den Weg des Menschen. Dies bedeutet, er hat kein Vertrauen darin was der Mensch tut. Professionelle Hilfe kann hier erklärende Unterstützung bieten.

Bei leerer Fußgängerzone geht der Hund mit, weigert sich jedoch strickt wenn diese belebter ist

  • Hier könnte eine Fehlkonditionierung vorliegen. Ein intensiver Vertrauensaufbau ist notwendig, um dem Hund zu zeigen, dass er sich auf seinen Menschen verlassen kann.

Mögliche Fehlkonditionierungen

Kleine Hunde, die zu häufig von anderen Passanten übersehen und evtl. getreten wurden, verbinden den Gang durch eine belebte Fußgängerzone mit Schreck und Schmerz. Für sie ist der Stadtbesuch gefährlich und sie verstehen nicht, wieso der Mensch sie dieser Situation aussetzt.

Bei Hunden die immerzu mit Leckerchen von reizvollen Situationen abgelenkt werden, erfolgt keinen Lernprozess. Diese Ablenkung ist gleichzusetzen mit einem künstlichen Ruhighalten des Hundes. Er kann aus der reizvollen Situation nicht lernen, wie er sich besser oder anders verhalten könnte.

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