Menschentraining durch Desensibilisierung | Rat Hund Tat
Menschentraining durch Desensibilisierung

Menschentraining durch Desensibilisierung

Zeigen Hunde gegenüber Fremden oder vielen Menschen Furcht, Ängste oder Panik, sollte das Problem ernst genommen werden. Ängste gehen nicht von alleine wieder weg.

Die Ursachen dafür sind vielfältig, zumeist hat jedoch der Hund schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht. Schlimmstenfalls wurde er sogar misshandelt. Unsere Hunde müssen sich aber mit der menschlichen Gesellschaft arrangieren, ohne zur Gefahr für Mitmenschen zu werden. Aus Angst und Furcht kann sich eine generalisierte Angststörung entwickeln, deren Folgen Depressionen bis Aggressionen sein können. Ein dabei langanhaltend hoher Pegel an Stresshormonen kann beim Hund zu Erkrankungen führen.
Das kann sich durch gestörtes Fressverhalten, Allergien, schuppiges Fell, Durchfall, stereotypes Verhalten, o. Ä. zeigen.

Hunde zeigen unterschiedliches Verhalten wenn sie Furcht verspüren.

Zu klären wäre hierbei, auf was sich die Furcht im Besonderen bezieht. Einige Hunde fürchten sich vor Menschen mit Hüten, andere verbinden Menschen in Uniformen, wie Postboten, mit negativen Erlebnissen. Wieder andere zeigen Fluchtverhalten bei weiß gekleideten Menschen oder Panikverhalten wenn zu viele Menschen um ihn herum sind.

Bei einer Desensibilisierung geht es darum mit Reizobjekten, als den Furchtauslösern, zu arbeiten und die Wahrnehmung dieser ins Positive zu verkehren. Ist ein Hund traumatisiert, sollten entsprechende Übungen nur unter professioneller Anleitung ausgeführt werden.

Zielsetzung

Für eine vertrauensvolle Mensch-Hund-Beziehung ist wichtig, dass der Hundebesitzer die Probleme seines Hundes ernst nimmt und ihm nicht lediglich verbietet zu reagieren. 
Durch gezieltes Training mit Übungspersonen kann der Hund desensibilisiert werden. Er wird lernen, dass furchtauslösende Personen kein Problem darstellen und ihm nicht gefährlich werden können, da sein Besitzer diese Personen kontrollieren kann. Zudem wird er alternative Handlungsmöglichkeiten kennen und anwenden lernen.
Sein Besitzer zeigt sich als Sicherheitsperson, bei der er Schutz findet und sich somit an ihm orientieren wird.

Gestellte Situation im Menschentraining

Gestellte Situation im Menschentraining

Hinweise

  • Vor allem unerfahrene Hundebesitzer sollten in jedem Falle professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Für erfahrene Hundebesitzer kann sich ebenso eine Analyse anbieten, da eine außenstehende Person eher in der Lage ist, das Verhalten neutral - ohne Emotionen - zu beurteilen.
  • Übungen sollten initiiert sein und mit Übungspersonen stattfinden. Nur so ist sichergestellt, dass die Gesamtsituation kontrollierbar bleibt.
  • Die Einweisung der Übungspersonen sollte vor Beginn des Trainings erfolgen, damit sie während der Übungen kein unangemessenes Verhalten zeigen.
  • Die Sicherheit der Übungspersonen hat oberste Priorität. Bevor eine Übungsperson zu Schaden kommt, sollte das Training beendet werden.
  • Ob eine Übungsgruppe oder eine einzelne Übungsperson benötigt wird, hängt von der Problematik des Hundes ab.
  • Der Hundebesitzer sollte versuchen so gelassen wie möglich zu bleiben, ganz gleich welches Verhalten sein Hund zunächst zeigt. Wird er nervös, kann sein Hund das spüren und seine Unsicherheit wird noch verstärkt. Zur weiteren Absicherung kann der Hund einen Beißkorb tragen.
  • Das Übungsgelände sollte wenig Ablenkungsreize aufweisen und gesichert sein, damit der Hund im Falle von Fluchtverhalten sich nicht selbst in Gefahr bringen kann.
  • Der Hund muss durch Halsband und /oder Geschirr und Leine gesichert werden, damit jederzeit Einfluss auf sein Verhalten genommen werden kann. Flüchtet er und ist nicht durch eine Leine gesichert, bringt er sich in Gefahr.
  • Als weitere Hilfsmittel können Futterbeutel, Futtertuben oder gefüllte Röhrenknochen, Futterbrocken sowie besonders ergiebige Kauartikel dienen, sofern der Hund überhaupt fressen kann. Die Kaubewegung hilft dem Hund Stress abzubauen und erzeugt Serotonin, ein glücklich machendes Hormon. Damit wird die Situation in ein positives Licht gerückt. Zudem gibt es der Übung einen lebensnotwendigen Sinn.
  • Jede Übung sollte kurz gehalten werden. Verbringen Mensch und Hund zu viel Zeit mit den Reizobjekten, wird der Hund überfordert, was erneuten Stress verursachen kann.
  • Abschalttraining im Beisein der Reizobjekte (Mützen, Hüte, andere Kleidung, bestimmte Farben), sofern erkennbar oder bekannt, ist bei den Übungen hilfreich. Der Hund kann sich über das Abschalttraining daran gewöhnen, dass die Objekte ihm keinen Schaden zufügen.
  • Die Reizobjekte werden in Apportier- und Suchspiele eingebaut.
  • Desensibilisierung kann sehr zeitaufwendig sein. Je nach Fall ist der Erfolg nur in kleinen Schritte bzw. Stufen möglich. Um Erfolgreich zu sein, sollte jede Stufe so lange geübt werden, bis ein gewünschtes Verhalten gefestigt ist. Geduld mit dem Hund und seiner Situation ist unverzichtbar.
Desensibilisierung auf Berührung

Desensibilisierung auf Berührung

Übungsaufbau

Da die Varianten von Problemen und das Verhalten von Hunden zahlreich sind, können nicht alle Übungsmöglichkeiten beschrieben werden.

Die hier beschriebenen Übungen können mit Hunden gemacht werden, wenn sie abgeschwächte Formen von Furcht oder Angst zeigen. Bei Hunden die massive Probleme haben, sollte nicht auf Verdacht etwas ausprobiert werden. Unbedingt sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden, um das Vertrauen des Hundes nicht zu verlieren.

Der Hund hat bereits über das Abschalttraining erkannt, dass die Reizobjekte keine Gefahr für ihn bedeuten.

Die Übungspersonen kommen hinzu, die mit den Reizobjekten bekleidet sind. Sie stehen in großzügigen Abständen ruhig auf dem Trainingsgelände. Die Abstände zwischen den Übungspersonen sind so groß, dass das Mensch-Hund-Team zwischen ihnen durchgehen kann.

Die Übung wird stufenweise aufgebaut:

  1. Der Hundebesitzer geht mit seinem angeleinten Hund zunächst entspannt um die gesamte Gruppe herum, wobei der Hund auf der Außenseite geführt wird. Der Hundebesitzer befindet sich zwischen seinem Hund und den Übungspersonen. Mit diesen spricht der Hundebesitzer, so als ob er Spaziergänger freundlich grüßen würde. Der Abstand zur Gruppe ist entsprechend groß, damit der Hund die Situation nahezu stressfrei erleben kann.
  2. In der nächsten Stufe geht der Hundebesitzer mit seinem Hund zwischen den Übungspersonen hindurch. Der Hund wird nur von seinem Besitzer beobachtet, die Übungspersonen schauen ihn nicht an. Das Mensch-Hund-Team verlässt die Gruppe, der Hund wird lobend bestätigt.
  3. In der nächsten Trainingseinheit oder im Anschluss daran setzt sich das Mensch-Hund-Team zum Abschalttraining hin. Der Hund bekommt einen Kauartikel. Während der Hund kaut, weist der Hundebesitzer einzelne Übungspersonen an, sich zu bewegen oder ihren Platz zu wechseln. Der Abstand zu dem Mensch-Hund-Team ist dabei weiterhin einzuhalten.
  4. Kann auch das der Hund gut ertragen, werden einzelne Personen im Wechsel zu dem Mensch-Hund-Team herangeholt und wieder weg geschickt. Der Initiator ist dabei der Hundebesitzer.
    In einer weiteren Stufe wird mit dem Hund in der Nähe der Übungspersonen beispielsweise Apportiert, während sich die Gruppe bewegt.
  5. Kann der Hund alle genannten Stufen souverän meistern, wird zwischen den Übungspersonen apportiert. Die Übungspersonen bewegen sich dabei nicht. Das Apportl liegt zwischen den Übungspersonen, direkt bei einer Übungsperson oder wird sogar bereits von einer Übungsperson in der Hand gehalten. Der Hund darf das Apportl bei der Person abholen. Der Hund kann in der Mitte der Gruppe gefüttert werden.
  6. In dieser stufenweise aufbauenden Übungsform kann der Hund sowohl auf fremde Menschen als auch auf bestimmte Kleidung desensibilisiert werden. Wichtig ist zudem, dass der Hundebesitzer im täglichen Leben seinen Hund von fremden Personen weghält bzw. seinen Hund vor ihnen sichert. Dazu befindet er sich immer zwischen seinem Hund und der fremden Person und sorgt dafür, dass sein Hund von der Person nicht gestreichelt wird.

Mögliches Verhalten und Optionen

Der Hund ist nicht in der Lage, mit seinem Menschen um die Gruppe herum zu gehen

  • Der Besitzer weist die Übungspersonen an, in die Hocke zu gehen. Damit werden sie weniger bedrohlich für den Hund.

Der Hund zeigt Aggressionen gegen die Übungspersonen

  • Die Übung wird beendet. Es wird professionelle Hilfe in Anspruch genommen.

Der Hund kann weder fressen noch kauen, wenn sich eine Übungsperson in der Nähe befindet

  • Der Abstand wird vergrößert.

Der Hund kann nicht apportieren

  • Es werden mittels Futterbrocken Suchspiele durchgeführt.

Mögliche Fehlkonditionierungen

Da es sich bei Angst und Furcht eher um Erfahrungen und Erinnerungen handelt und weniger um falsche Konditionierung, werden an dieser Stelle keine Empfehlungen gegeben.

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