Menschentraining durch Erziehung | Rat Hund Tat
Menschentraining durch Erziehung

Menschentraining durch Erziehung

Distanzlosigkeit gegenüber Menschen ist verstärkt bei noch unerzogenen oder jungen Hunden zu sehen. Sie springen Menschen an, sind aufdringlich und nehmen damit immerzu unaufgefordert Körperkontakt auf. Einigen Hunden, gleich welchen Alters, wurde unwissentlich diese Distanzlosigkeit beigebracht.

Oftmals mögen die Hunde selbst jedoch den Körperkontakt nicht. Erwidert der Mensch ihr Verhalten, drehen und winden sie sich, springen weg oder brummen sogar. Demnach handelt es sich bei dieser Form der Kontaktaufnahme nicht um die Aufforderung gestreichelt zu werden, sondern schlichtweg um ein freches Verhalten.

Hunde, die sich im Freilauf befinden und bei Sichtkontakt zu fremden Menschen losstürmen, um diese zu begrüßen, können den Hundebesitzer in schwierige Situationen bringen.

Unsere Mitmenschen haben ein Recht auf eine respektvolle Begrüßung, ohne den Abdruck von Pfoten auf ihrer Kleidung. Zudem gibt es sehr viele Menschen die Angst haben, wenn ein Hund auf sie zuläuft. Jeder Hundebesitzer trägt die Verantwortung für seinen Hund. Er sollte ihn auch im Freilauf kontrollieren und abrufen können, auch wenn er sich sicher ist, dass sein Hund nichts tut.
Besonders bei Distanzlosigkeit liegt die Wurzel des Übels häufig in der Erziehung. Dürfen Hunde ihren eigenen Menschen gegenüber Distanzen unterschreiten, sie anspringen und aufdringlich sein und wird das auch noch wohlwollend bestätigt, sollten sie dieses Verhalten erst recht bei fremden Menschen zeigen dürfen.

Zielsetzung

Mit Übungen zur Menschengewöhnung soll erreicht werden, dass der Hund lernt, nur nach Aufforderung seines Halters Kontakt zu fremden Menschen aufzunehmen. Ebenso wird die Form der Kontaktaufnahme geübt. Der Hund lernt, Menschen nicht mehr anzuspringen, die Individualdistanz des Menschen nicht zu unterschreiten, respektvoll mit dem menschlichen Körper umzugehen, auch einmal abzuwarten und evtl. gar keinen Kontakt aufnehmen zu dürfen.

Hinweise

  • Erste Priorität beim Menschentraining hat immer die Sicherheit der eingesetzten Übungspersonen.
  • Um das Verhalten des Hundes kontrollieren zu können, trägt er ein gut sitzendes Halsband und eine 5 Meter Trainingsleine. Die Leinenlänge ist sinnvoll, um ein Zerren und Ziehen zu verhindern. Ist die Leine zu kurz, kann dem Hund nicht genügen Freiraum im Training gegeben werden.
  • In welcher Form das Training aufgebaut wird, ist davon abhängig wie der Hund gelernt hat distanzlos zu sein bzw. aus welchen Gründen er ein solches Verhalten zeigt.
  • Ein unerfahrener Hundebesitzer sollte professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Das Risiko von Fehlkonditionierungen ist gegeben.
  • Geübt wird in gestellten Situationen. D. h. es werden Übungspersonen eingesetzt, die sich genau entsprechend der Anweisungen des Trainers oder Hundebesitzers verhalten.
  • Das Abschalttraining ist eine vorab passende Übung zum Menschentraining. Hat der Hund bereits gelernt auch im Beisein fremder Personen Ruhe zu bewahren, wird er ein neues Verhalten einfacher lernen können.
  • Eine lockere Leinenführung ist bei diesen Übungen vorteilhaft. Die korrigierenden Signale, die der Hund über Leine und Halsband bekommt, sollten sensibel sein und bleiben. Stürmt er jedoch ins Halsband, wird aus einem Leinenzupfer ein Leinenruck, der die Halspartie des Hundes auf Dauer unsensibel werden lässt.
  • Bei sehr stürmischen Hunden kann ein Geschirr das Abstumpfen des Halsbereichs verhindern.
  • Eine Bestätigung für angemessenes Verhalten bekommt der Hund verbal vom Hundebesitzer und nicht über ein Leckerchen aus der Hand. Ist der Hund an Leckerchen aus der Hand gewöhnt, kann genau dies der Grund sein, warum er Distanzlosigkeit zeigt. Hier liegt eine Fehlkonditionierung vor.
  • Bei den Übungen benutzt der Hundebesitzer eindeutige Wort- und Handsignale. Der Hund lernt daraus, dass sein Mensch die Übungspersonen kontrollieren kann.

Übungsaufbau

Zunächst sollte in Erfahrung gebracht werden, welche Distanz für den Hund akzeptabel ist, ohne auf eine fremde Person losstürmen zu müssen. Dazu hat der Mensch seinen Hund an der Trainingsleine gesichert. Der Hund sitzt oder liegt neben seinem Menschen. Eine Übungsperson kommt auf das Mensch-Hund-Team zu, bis der Hund das unerwünschte Verhalten zeigt. Diese Distanz bildet die Grenze der Übungen.

Ohne Kontaktaufnahme zur Übungsperson

Der Hund sitzt angeleint neben seinem Besitzer. Dieser ruft die Übungsperson zu sich heran und stoppt sie an der Distanzgrenze. Er benutzt dafür sowohl Worte als auch ein Handsignal. Die Menschen begrüßen sich per Handschlag, der Hund bleibt ruhig sitzen oder liegen - er wird lobend bestätigt.

Mögliches Verhalten und Optionen

  • Der Hund steht vorzeitig auf und tritt auf die Übungsperson zu. Die Distanzgrenze wurde unterschritten. Die Übung wird erneut gestartet, der Hundebesitzer stoppt die Übungsperson früher, bevor der Hund reagiert.
  • Die Distanz ist zu weit für eine Begrüßung per Handschlag. Der Hundebesitzer tritt vor seinen Hund auf die Übungsperson zu, um sie zu begrüßen. Steht der Hund dabei auf, wird zuerst der Hund neu platziert, bevor die Übungsperson begrüßt wird.
  • Der Hund ist schneller als sein Besitzer an der Übungsperson. Er kann auch bei Wiederholungen nicht sitzen bleiben. Es wird entweder eine weitere Übungsperson zu Hilfe genommen, die den Hund für den Moment der Begrüßung festhält. Alternativ kann der Hund kurz mittels einer Leine festgebunden werden. Der Besitzer tritt vor seinen Hund, um die Übungsperson zu begrüßen. Verhält sich der Hund dabei unruhig, bellt er, fiepst oder macht andere Geräusche, wird dies ignoriert. Der Besitzer tritt erst wieder an seinen Hund heran, wenn er sich ruhig verhält, wenn auch nur für wenige Sekunden. Hierbei ist richtiges Timing gefragt.
  • Der Hund springt die Übungsperson erst an, wenn der Besitzer sie per Handschlag begrüßt. Der Hund wird korrigierend weggedrängt und erneut, hinter seinem Besitzer, abgesetzt.

Mit Kontaktaufnahme zur Übungsperson

Der Hund verhält sich ruhig neben seinem Besitzer, während dieser die Übungsperson begrüßt. Danach schaut er seinen Hund an und fordert ihn auf, es ihm gleich zu tun. Er selbst bleibt neben der Übungsperson stehen, um den Hund, falls nötig, korrigierend wegzudrängen, bevor er an der Übungsperson hochspringt. Hierbei ist es hilfreich, wenn die Übungsperson in die Kontaktaufnahme zu Hunden eingewiesen ist, also sich nicht über den Hund beugt, evtl. sich seitlich zum Hund stellt und keinesfalls auf dem Kopf streicheln.
Bei kleinen Hunden ist es sinnvoll, dass beide Menschen bei der Begrüßung des Hundes in die Hocke gehen.

Mögliches Verhalten und Optionen

  • Der Hund springt an der Übungsperson hoch. Er wird weggedrängt und erneut, auf etwas Distanz, abgesetzt. Die Menschen begrüßen sich erneut. Der Hund wird dazu geholt und erst abgesetzt, bevor er zur Übungsperson Kontakt aufnehmen darf. Dafür hält die Übungsperson dem Hund seine Hände hin, ohne ihn zu streicheln.
  • Zeigt der Hund das Anspringen auch nach mehreren Wiederholungen, darf er zunächst keinen Kontakt mehr zu fremden Personen aufnehmen. Dadurch lernt er, dass fremde Personen keine große Bedeutung für ihn haben sollen.

Mögliche Fehlkonditionierungen

  • Wurden Hunde mittels aus der Hand gefütterten Leckerchen bestätigt, kann dies zur Distanzlosigkeit führen. Sie fordern das Leckerchen ein und werden aufdringlich. Soll das Leckerchen weiterhin als Bestätigung Bestand haben, ist es ratsam das Leckerchen auf den Boden fallen zu lassen, damit der Hund es zunächst suchen muss. Durch die neue Konditionierung lernt der Hund, dass er beim Einhalten des Abstands eher sieht wohin das Leckerchen fällt.
  • Wurde beim Züchter nicht darauf geachtet, dass Welpen respektvoll mit dem menschlichen Körper umzugehen haben, zeigt sich das bereits gegenüber dem Besitzer und nicht nur bei fremden Personen. Für die Hunde ist es normal und erlaubt frech und distanzlos zu sein. Hierbei obliegt es dem Hundebesitzer erzieherisch auf seinen Hund einzuwirken. Darf der Hund seinen eigenen Menschen anspringen und anrempeln, darf er das erst recht bei einer fremden Person.
  • Hat ein Hund gelernt, dass eine stürmische Begrüßung seines Menschen Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten zur Folge hat, wird er dieses Verhalten auch bei fremden Personen zeigen.

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