Fährten | Rat Hund Tat
Fährten

Fährten

Die Nase ist bei vielen Hunden das hauptsächlich genutzte Sinnesorgan. Über die Nase nimmt der Hund Gerüche auf, die blitzartig gefiltert, analysiert und als verwertbare Informationen an das Gehirn weitergeleitet werden.

Nimmt ein Hund beim Spaziergang eine Wildspur auf, ist es ganz natürlich, dass er dieser weiter nachspüren möchte. Dieses Bedürfnis liegt in seiner Bestimmung als überwiegend olfaktorischer Beutegreifer. Einige Hunde nutzen ihre Nase überwiegend um Informationen über revierfremde Artgenossen zu erhalten, andere um Nahrungsquellen ausfindig zu machen.
Wird dieses Sinnesorgan artgerecht und sinnvoll ausgelastet, wird das instinktive Verhalten des Hundes befriedigt. Damit der Hund seinen Bedürfnissen nicht ohne seinen Menschen nachkommt und der Mensch weiterhin Einfluss auf die Aktionen seines Hundes nehmen kann, ist das Fährten eine sehr gute Beschäftigung für das Mensch-Hund-Team.

Zielsetzung

Durch die Fährtenarbeit wird der Hund lernen, dass zielgerichtete Spurensuche zu einem persönlichen Erfolg, etwa einer Nahrungsquelle, führt. Der Mensch zeigt sich dabei als Initiator einer Jagd, indem er seinen Hund an einer erfolgsversprechenden Spur angesetzt. Der Hund wird während der Suche spürbar geführt, damit er sich ganz auf das Riechen konzentrieren kann. 

Hat der Hund verstanden, dass sein Mensch weiß wo, wann und welche Spuren Beute bringt, kann aus einem unkontrollierten Jagdverhalten eine kontrollierbare Gemeinsamkeit werden.

Hinweise

  • Der menschliche Individualgeruch setzt sich aus verschiedenen Substanzen zusammen. Unter anderem aus Eiweißen, Hormonen, stoffwechselbedingte Abbauprodukten und körpereigenen Bakterien. Hinzu kommen Pflegeprodukte, die auf den Körper aufgetragen werden. Alle Gerüche unterliegen der natürlichen Zersetzung bzw. Verdampfung. Diese Duftmoleküle, Hautschuppen und Geruchspartikel verliert der Mensch als Mikropartikel, während er die Fährte legt. Sie fallen zu Boden und zersetzen sich dort weiter. Die entstehenden Gase werden vom Hund gerochen.
  • Wird ein organischer Untergrund, z.B. Wiese oder Laub, betreten, entsteht durch den Fußabdruck eine Bodenverletzung. Aus den verletzten Pflanzen treten Gärungssäfte aus, an denen sich der Hund während der Suche orientieren kann.
  • Der Hund sollte bei der Suche ein Fährtengeschirr und eine 5m Leine tragen. Das Geschirr dient als reine Arbeitskleidung. Im Geschirr darf und soll er an der Leine ziehen.
  • Im Geschirr bekommt der Hund niemals eine Korrektur durch Zupfen oder Rucken. Das kann zu einer Fehlkonditionierung führen.
  • Der Verlauf der Fährte wird, während sie gelegt wird, alle 10 bis 20 Schritte mit einem Markierungsfähnchen abgesteckt. Die Fähnchen werden auf Armlänge seitlich der Fährte gesteckt.
  • Sind Mensch und Hund noch Neulinge beim Fährten, sollte die Fährte möglichst mit oder gegen den Wind gelegt werden. Je nach Windstärke kann der Wind die Duftpartikel weit verwirbeln, so dass der Hund für den Menschen nicht mehr erkennbar eine Spur verfolgt.
  • Die Übungsfläche sollte an den Leistungsstand des Mensch-Hund-Teams angepasst werden. Befinden sich zu viele Ablenkungsreize im Untergrund, kann sich der Hund nicht auf den Fährtenverlauf konzentrieren.
  • In der Anfangsphase der Fährtenarbeit sollten nicht mehr als ein bis zwei Winkel, in einem etwa 50 bis 70 m langem Fährtenverlauf, sein.
  • Am Ende der Fährte soll ein Zielobjekt (Apportier-Dummy) liegen. Für beuteorientierte Hunde eignet sich Nahrungsquellen, z.B. Futterbeutel, Futterschüssel o.Ä.).
  • Der Rückweg zum Hund verläuft im Bogen um die Fährte herum, diese keinesfalls kreuzen.
  • Eine ritualisierte Vorgehensweise, bevor der Hund die Suche startet, sorgt für mehr Ruhe und Konzentration beim Hund.
  • Dem Hund wird das Fährtengeschirr erst einen Meter vor dem Startpunkt angezogen und beim Erreichen des Ziels sofort wieder ausgezogen. Dadurch wird die lockere Leinenführung am Halsband nicht gefährdet.
  • Der Hund wird nach dem Anziehen des Fährtengeschirrs immer erst ins Down und Platz gelegt.
  • Der Hund darf die Suche erst starten, wenn er die Freigabe seines Menschen erhalten hat.

Anmerkung

Besonders zu Beginn der Fährtenarbeit sollte mehr Augenmerk auf die Ritualisierung der Vorgehensweise und die saubere Ausarbeitung des Verlaufs und der Winkel gelegt werden. Fährtenarbeit ist sehr anstrengend, besonders für ungeübte Hunde. Deshalb eher ein bis zwei kürzere Fährten sauber durcharbeiten, als eine lange Fährte legen, die abgebrochen werden muss oder die der Hund ohne Hilfe des Menschen nicht bis zum Ziel ausarbeiten kann. Das Handling der Leine bei Übungen, in denen der Hund ein Geschirr tragen sollte, ist etwas Übungssache. Zur Visualisierung schauen Sie sich das Video dazu an.

Übungsaufbau

Während die Fährte gelegt wird, befindet sich der Hund entweder im Auto oder wird in Sichtweite abgelegt. Sollte der Hund nicht liegenbleiben können, wird er kurz festgebunden.
Der Startpunkt der Fährte wird mit einem Fähnchen rechts und links markiert. Von diesem Punkt aus geht der Mensch über die Übungsfläche, wobei er nach 10 - 20 Schritten ein weiteres Fähnchen auf Armlänge, seitlich der Fährte, steckt. Am Ende der Fährte wird das Zielobjekt abgelegt. Der Rückweg zum Hund sollte großzügig um die Fährte herum, gewählt werden.
Mit dem Hund an den Startpunkt gehen, das Fährtengeschirr anziehen, den Hund ablegen, die 5-Meter-Leine am Geschirr einhacken. Der Mensch steht seitlich zum Hund, die Hund nahe Hand ist an der Leine, mit der anderen Hand und dem Wortsignal Such wird der Beginn der Suche eingeleitet und der Hund in die Fährte geschickt. Sobald der Hund startet strafft sich die Leine, der Hund geht an dem Menschen vorbei, so dass er nun vor seinem Menschen läuft. Ab diesem Zeitpunkt sollte die Leine ständig im Kontakt zum Hund bleiben, also straff gehalten werden. 
Ist das Mensch-Hund-Gespann am Ziel angekommen und apportierte der Hund das Zielobjekt seinem Menschen, wird das Geschirr sofort ausgezogen. Der Hund wird lobend bestätigt.

Mögliches Verhalten und Optionen

Der Hund startet die Suche, verlässt jedoch die Fährte und sucht auf Abwegen

  • Der Untergrund bietet zu viele Reize, z.B. Mäuselöcher oder andere Wildspuren
  • Der Wind weht seitlich und hat die Duftpartikel verwirbelt
  • Die Fährte ist zu einfach, er ist unterfordert.

Der Hund lässt sich das Fährtengeschirr nicht anziehen

  • Er verbindet das Geschirr mit einem unangenehmen Erlebnis. Um dem Geschirr eine positive Verknüpfung zu geben, trägt der Hund das Geschirr immer bei der Fütterung oder wenn er etwas Besonderes zu kauen erhält
  • Der Mensch ist zu nervös und hektisch beim Anziehen. Um eine Routine zu entwickeln, wird das An- und Ausziehen spielerisch geübt ohne eine Verbindung zur Fährtenarbeit.

Der Hund startet nach Aufforderung die Suche nicht

  • Er versteht die Aufgabenstellung nicht. Um den Hund dazu zu bringen die Spur zu verfolgen, können besondere Futterbrocken in unregelmäßigen Abständen in die Fährte gelegt werden.
  • Diese werden bereits beim Legen der Fährte positioniert. Der Mensch führt den Hund von Futterbrocken zu Futterbrocken.
  • Der Hund fühlt sich unsicher auf dem Übungsgelände. Die Übung sollte beendet und auf einem anderen Gelände neu aufgebaut werden.
  • Der Hund versteht die Signalgebung des Menschen nicht.
  • Der Mensch ist unsicher und nervös und überträgt das auf seinen Hund.

Der Hund stürmt direkt nach Freigabe der Suche los zum Zielobjekt

  • Es liegt eine Fehlkonditionierung vor.
  • Der Hund kennt die Übung schon und ist somit zu einfach für ihn.
  • Der Hund hat die Witterung des Zielobjekts aus dem Wind aufgenommen. Daher sucht er nicht mit tiefer Nase am Boden.

Der Hund startet sauber, bleibt jedoch nach wenigen Metern oder an einem Winkel stehen und fiept

  • Der Hund ist überfordert und findet den Weg nicht. Der Mensch hilft ihm durch ein erneutes Einweisen in den Fährtenverlauf und evtl. dadurch, dass bis zum Zielpunkt dieselbe Einweisung bestehen bleibt.
  • Es liegt eine Fehlkonditionierung vor.

Fehlkonditionierungen

  • Geübte und selbstständig arbeitende Hunde ziehen häufig stark im Geschirr. Es wurde zu viel Zeit mit zu leichten Übungen vertan. Der Hund hat nun Schwierigkeiten mit seinem Menschen zusammenzuarbeiten.
  • Wird ein Hund stets in einem Geschirr geführt oder läuft er neben dem Fahrrad im Geschirr, lernt er darin zu ziehen. Eine lockere Leinenführung mit Halsband sollte neu konditioniert werden und das Geschirr wird nur zur Fährtenarbeit benutzt.
  • Wurde der Hund mittels der Leine im Geschirr durch einen Leinenruck oder Leinenzupfer korrigiert, kann das dafür sorgen dass der Hund das Geschirr negativ Verknüpft hat.
  • Trägt der Hund ein Geschirr zum besseren Festhalten beim Tierarzt, kann das Geschirr negativ verknüpft sein. Hier kann ein neues, anderes Geschirr Abhilfe schaffen, wenn es mit einer positiven Aktion, z.B. Fütterung, Spielen o.Ä., verbunden wird.
  • Wurden zu lange Futterbrocken in der Fährte verteilt, könnte der Hund die Übung als geringschätzig empfinden. Dies zeigt er indem er unkonzentriert sucht, über die Fährte von rechts nach links pendelt, plötzlich losstürmt, nicht mit tiefer Nase sucht oder gar verzweifelt scheint.
  • Hilfe sollte der Hund erst dann bekommen, wenn er durch Blickkontakt signalisiert, dass er diese benötigt. Bekommt er zu früh Hilfe, werden möglicherweise Kreuzpunkte und Abzweigungen nicht mehr selbstständig ausgearbeitet. Zum einen verlässt sich der Hund auf die Hilfe des Menschen, zum Anderen kann eine zu frühe Hilfestellung den Hund demoralisieren. Der Mensch vermittelt seinem Hund den Eindruck, dass er ihm nicht zutraut, das Ziel zu finden.

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