Reizangel Training | Rat Hund Tat
Reizangel Training

Reizangel Training - Fotos ©Lingua Canina

Reizangel Training

Hunde, deren Jagdinstinkt nicht beachtet wird, zeigen oftmals unerwünschtes bzw. unkontrollierbares Jagdverhalten.

Der Jagdinstinkt eines Hundes ist genetisch und kann nicht »abtrainiert« werden. Ein Jagdverbot ergibt für den Hund keinen Sinn, da er für ihn existenziell ist. Eine Bestrafung kann er nicht nachvollziehen, weshalb der Hund trotz Verbot und Bestrafung weithin auf die Jagd geht. Für Jagd interessierte Hunde gibt es zahlreiche Auslastungsmöglichkeiten, wie die Futtersuche, das Apportieren von Futterbeuteln und Fährtenarbeit, um nur einige zu nennen.

Die Jagdsequenz eines Hundes gliedert sich in verschiedene Teilbereiche auf.

Ein Teil ist die Hetze, bei der ein Hund viele glücklich machende Hormone ausschüttet. Dieser Hormoncocktail verursacht einen Wiederholungsfaktor, der das Abrufen des Hundes aus der Hetze schier unmöglich macht. Dabei spielt es für den Hund keine Rolle, ob seine Jagd erfolgreich war.

Im Gegensatz zur Reizangel entwickeln Hunde in der Realität keine Frustration bei erfolgloser Jagd.

Eine Demotivation bei Erfolglosigkeit können sich Hunde nicht erlauben, weil sie in freier Natur lebend sonst verhungern würden. Vielmehr wird der Ehrgeiz des Hundes geweckt Strategien zu entwickeln, um erfolgreich Beute zu machen.

Das Training mit der Reizangel imitiert die Jagd nach Beute, inkl. der Entwicklung von Jagdstrategien.

Eine Reizangel ist ein Stock, Stab oder eine ausrangierte Angelrute, an dem ein Seil, mindestens ebenso lang oder länger wie die Angel, befestigt ist. Am Seilende wird das Beuteobjekt (z. B. ein kleiner Futterbeutel) befestigt.

Der Mensch bewegt das Beuteobjekt mit der Angel immer vom Hund weg. Die Angel Spitze bleibt dicht über dem Boden.

Kontrollierte Hetzjagd mit der Reizangel

Kontrollierte Hetzjagd mit der Reizangel

Ursprünglich wurde die Reizangel für die Ausbildung von jagdlich geführten Hunden verwendet, um ihnen u. a. das Vorstehen beizubringen.

Mittlerweile etablierte sich die Reizangel als eine artgerechte Beschäftigung auch für nicht jagdlich geführte Hunde.

Die Länge der Reizangel inkl. Seil ist von der Größe des Hundes abhängig. Je größer der Hund desto größer sollte der mögliche Radius sein, um Gelenke, Muskeln und Bänder bei den Sprints und Stopps nicht unnötig zu belasten.

Ein Schritt-für-Schritt Übungsaufbau ist kaum möglich, da sich die Vorgehensweise sehr individuell gestaltet und das Arbeiten von vielerlei Faktoren abhängig ist.

Das Bauchgefühl des Menschen ist wichtig, um zu erkennen, ob der Hund eine weitere Sequenz schafft, bzw. wann es für den Hund genug ist. Unsichere Hundebesitzer sollten sich für den Übungsaufbau von einer Fachperson anleiten lassen. Bewegungsreize üben auf junge Hunde und Hunde mit fehlgeleitetem Beutefangverhalten einen intensiven Reiz aus. Bei den Hunden ist es besonders wichtig, dass die Basissignale gefestigt sind.

Ansonsten würde das Reizangeltraining mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen. Niemals sollte die Reizangel dazu benutzt werden, um den Hund »auszupowern«, denn hierbei entwickelt der Hund Frust und es werden Fehlkonditionierungen erzeugt.

Übung zur Selbstbeherrschung mit der Reizangel

Übung zur Selbstbeherrschung mit der Reizangel

Zielsetzung

Das Training mit der Reizangel stellt eine Hetzjagd nach, was für das Mensch-Hund-Team eine besondere Herausforderung ist, da von beiden höchste Konzentration abverlangt wird. Mensch und Hund müssen gleichermaßen konzentriert sein. Daher sollte kein Reizangel Training begonnen werden, wenn der Mensch unter Zeitdruck steht.

Das Hauptziel für den Hund ist die Selbstbeherrschung bei äußeren Impulsen. Er soll lernen, dass sich bewegende Objekte erst gejagt werden darf, wenn der Mensch sein okay dazu gibt.

Um das Ziel der Selbstbeherrschung zu erreichen, müssen die Übungen dosiert und kontrolliert aufgebaut werden.

Hunde sollten lernen, bei den Übungen mitzudenken. Beim Reizangeltraining sollen sie ihre Konzentration auf Mensch und Beuteobjekt richten, die Umgebungsreize ausblenden und strategische Vorgehensweisen entwickeln.

Ein weiteres Ziel ist die Befriedigung des Jagdbedürfnisses beim Hund, um unerwünschtes Jagdverhalten in kontrollierbare Bahnen zu lenken und den Hund in der Hetze stoppen zu können.

Ebenso kann die Reizangel für den Aufbau von Apportierarbeiten genutzt werden und um dem Hund einen Anreiz zu bieten, schwimmen zu gehen. 

Bevor der Mensch mit dem Hund an der Reizangel arbeitet, ist ein wenig Übung erforderlich.

Der Mensch sollte die Beute kreisend und hüpfend um sich herum oder, über seinen Kopf hinweg, von einer Seite zur anderen bewegen können. Ebenso sollte der Mensch in der Lage sein, der Beute einen aufwärts Impuls zu setzen, damit er sie fangen kann. Beispielsweise, wenn der Hund ohne okay startet.

Sinnigerweise wird das Beuteobjekt immer vom Hund wegbewegt, da es kaum eine Beute gibt, die ihrem Jäger direkt in die Arme läuft.

 

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