Problemverhalten Anspringen von Menschen | Rat Hund Tat
Problemverhalten Anspringen von Menschen

Problemverhalten Anspringen von Menschen

Begrüßen Welpen ihre heimkommenden Menschen überschwänglich, freut sich der Mensch. Springt der erwachsene Hund seinen Menschen bei der Begrüßung an, ist es ein Problemverhalten.

Das Anspringen von Menschen bei der Begrüßung hat unterschiedliche Ursachen. Um das Problemverhalten für den Hund gerecht zu »beheben« sollte genau nach der Art und Weise des Anspringen geschaut werden. Die Vorgehensweise definiert die Quintessenz, woraus die Gründe für das Problemverhalten erkannt werden.

Hunde springen ihre Menschen auf verschiedene Weisen an. Dabei streifen sie so eng um die Beine, dass der Mensch keinen Schritt mehr machen kann. Sie rempeln gegen die Beine oder, mit einem leichten Sprung, gegen den Körper ihrer Menschen. Andere springen mit ihren Pfoten in den Bauch oder auf den Rücken des Menschen. Sie Stumpen ihre Menschen von hinten an, springen ohne Berührung Richtung Kopf, oder klettern frontal an ihnen hoch.

Zwischen zwei Hunden käme das Anspringen so nicht vor, da jeder Hund seine persönliche Individualdistanz hat. Wer zu dicht herantritt und damit die Individualdistanz unterschreitet, wird massiv gemaßregelt. Gleiches gilt für Personen, die unerlaubt auf den Hund oder seinen Menschen zukommen.

Faktisch betrachtet handelt es sich beim Anspringen von Menschen keineswegs um eine freudige Begrüßung vom Hund.

Es ist eine Unterschreitung der Individualdistanz der Person. Bei einem Welpen oder kleinem Hund mag das Anspringen niedlich sein, daher korrigieren Menschen es nicht. Das Anspringen führt zu einem Problemverhalten, wenn der Hund keine Unterschiede macht.

Springt er den eigenen Menschen an, ist es ein Thema zwischen Hund und Hundebesitzers. Springt er fremde Menschen oder Kinder an, wird das Anspringen zu einem Problemverhalten oder einer Verhaltensauffälligkeit. Es liegt in der Verantwortung des Hundebesitzers, die Individualdistanz jedes Einzelnen zu gewährleisten.

Welpen und Junghunde springen am Kopf ihrer Mutter hoch, um Nahrung zu erbetteln.

Die Hundeeltern reagieren überwiegend mit Ignoranz darauf. Sie wissen, dass eine Bestätigung des Verhaltens für beständige Distanzlosigkeit der Welpen sorgt.

Bei einem erwachsenen Hund kann es sich ebenfalls darum handeln, als Relikt aus der Welpenzeit.

Oftmals jedoch ist das Anspringen als Korrektur des Menschen gemeint.

Was der Hund korrigieren möchte, hängt von der Situation ab, in der er seinen oder auch andere Menschen anspringt. Meint der Hund es nicht korrektiv, kann das Anspringen eine Fehlkonditionierung sein. Das bedeutet, dass der Hund das Problemverhalten Anspringen von seinem Menschen quasi gelernt hat.

Um bei der Lösung des Problemverhaltens Anspringen hundegerecht vorzugehen, sollten die Umstände, das Alter des Hundes und seine Erziehung genau in Augenschein genommen werden.

Fehlkonditionierungen

  • Bei der Begrüßung von Welpen und kleinen Hunden neigen Menschen dazu, sich vornüberzubeugen oder hinzuhocken. Dabei klopfen sie sich auf die Oberschenkel, um den Hund zu animieren, auf das Bein zu klettern. Springt der Hund darauf an, wird ihm freudig über den Kopf gestreichelt. Der Hund hat gelernt, dass sein Mensch sich darüber freut, wenn er distanzlos ist. Mit zunehmenden Alter erlaubt sich der Hund, diese Respektlosigkeit bei fremden Menschen, weil er es bereits bei seinem eignen »darf«.
  • Kommt der Mensch nach Hause, empfängt ihn sein Hund aufgeregt an der Tür, ergo wird er als erster, vor den anwesenden Menschen, begrüßt. Besucher verhalten sich genauso. Auch sie begrüßen zuerst den aufgeregten Hund. Dadurch kann eine Hierarchie Verschiebung entstehen. Der Hund erhält einen ranghohen Status. Er kommuniziert seine Wichtigkeit durch Anspringen, wenn sein Mensch oder Besucher ihn nicht als erstes begrüßt.
  • Der Mensch hat dem Hund beigebracht, sich mit seinen Vorderpfoten an seinem Oberkörper abzustützen. Dazu wurde in die Hände geklatscht und auf den Bauch geklopft. Springt der Hund an seinem Menschen hoch und stützt die Pfoten an ihm ab, wurde er lobend bestätigt. Der Hund hat gelernt, dass sein Mensch keine Individualdistanz hat. Er darf sich respektlos verhalten.
  • Springt der Hund an seinen Menschen nach Aufforderung nicht hoch, wurden er an den Vorderbeinen hochgehoben und die Pfoten am Bauch des Menschen platziert. Dafür bekam er ein Lob. Der Hund hat gelernt, dass sein Mensch es genießt, wenn er distanzlos ist und ihn, mit den Pfoten voran, gegen den Körper springt.
  • Der Hunde wurde als Welpe stets für das Hochklettern Richtung Kopf gelobt. Die für den Menschen niedliche Begrüßung behielt der Hund bis ins Erwachsenenalter bei. Der Hund hat nicht gelernt, sich wie ein erwachsener Hund zu verhalten. 
  • Der Hund springt nur Kinder an. Häufig passiert das Anspringen, wenn die Kinder wild herumtoben. Die soziale Motivation des Hundes gilt der Erziehung des Nachwuchses. Er hat zuvor einige Signale wie einen fixierenden Blick, langsames umher schreiten oder auch ein Brummen gezeigt, was die Kinder ignorierten. Um dem Nachwuchs zu verdeutlichen, dass wildes Herumtoben nicht erwünscht ist, stoppt er durch das Anspringen die Bewegungen der Kinder.
  • Dem Hund wird das Vorauslaufen beim Spaziergang erlaubt. Dabei erreicht er als erster Wegkreuzungen, Eckpunkte und markante Stellen auf dem Weg. Sein Markierverhalten wird nicht korrigiert oder kommentiert. Im Garten darf er sich dort lösen, wo er möchte. Er bevorzugt die Grundstücksgrenze und andere markante Punkte. Kehrt sein Mensch heim, springt der Hund mit den Vorderpfoten gegen seinen Menschen oder rempelt ihn mit seinem Körper an. Seine sozial motivierte Korrektur ist wohlwollend gemeint. Er bringt damit seine Sorge um ein Familienmitglied zum Ausdruck. Der Hund hat gelernt, dass er für die Sicherheit der Sozialgemeinschaft verantwortlich ist. Er zeigt Territorialverhalten, um seine Gruppe zu schützen.

Lösungsansätze

Entstand das Problemverhalten Anspringen aufgrund einer Fehlkonditionierung, hat der Hund also gelernt, die Individualdistanzen zu unterschreiten, kann er auch das Gegenteil lernen. Dem Hund wird dazu ein alternatives Verhalten gezeigt. Bevor er hochspringt, erhält er das Signal sitz, down, stopp oder wird auf seine Decke geschickt. Verhält er sich ruhig, bis der Mensch Tasche, Hut und Mantel abgelegt hat, wird der Hund begrüßt.

Entstand das Problemverhalten Anspringen aufgrund nachlässiger Erziehung, kann es zu einer Hierarchieverschiebung geführt haben. Der Hund fühlt sich genötigt, die Sicherheit und den Schutz seiner Sozialpartner zu übernehmen. Es sollte an einer Neustrukturierung der Hierarchie gearbeitet werden. Hierbei raten wir dazu, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um neue Probleme zu vermeiden.

Entstand das Problemverhalten Anspringen aufgrund ursprünglicher Begrüßungssituationen, kam es zu einer Hierarchie Verschiebung. Der Hund wurde „wichtig gemacht“. Zukünftig wird der Hund, wenn er seinen Menschen an der Haustür erwarten, auf seinen Liegeplatz geschickt. Es werden zuerst die anwesenden Familienmitglieder begrüßt. Werden Besucher erwartet, darf der Hund nicht mehr zur Haustür laufen. Die Besucher werden angewiesen, den Hund vorerst zu ignorieren, bis der Mensch sein okay für eine Kontaktaufnahme gibt.

Ist das Problemverhalten Anspringen ein Relikt aus der Welpenzeit, sollte der Mensch seinen Hund beim Heimkehren ignorieren. Er begrüßt, wenn anwesend, zunächst alle anderen Familienmitglieder. Seinem Hund schenkt er keine Aufmerksamkeit. Sobald sich der Hund ruhig verhält, schickt ihn der Mensch auf seinen Liegeplatz, geht in die Hocke und begrüßt ihn dort, in aller Ruhe.

Hinweis

Hunde mit Verlustängsten haben Probleme, allein Zuhause zu bleiben. Sie sind häufig extrem aufgeregt, wenn ihre Menschen heimkommen. Angebotene Alternativhandlungen ihres Menschen nehmen sie kaum wahr oder es fällt ihnen schwer, sie zu befolgen. Für sie ist es das größte Glück, dass ihr Mensch zurück ist. Schickt der Mensch sie weg, auf den Liegeplatz, könnte das Folgen für das Vertrauensverhältnis von Mensch und Hund haben. Der Hund fühlt sich missverstanden.

Bei Hunden mit Verlustangst kann der Mensch beim Heimkommen in die Hocke gehen und seinen Hund durch Holding Ruhe vermitteln. Günstig ist hierbei ein wortloses vorgehen. Benutzt der Mensch beruhigende Worte wie »ist ja gut«, könnte das eine Fehlkonditionierung hervorrufen, da er ihn für seine Ängste lobend bestätigt.

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