Der akustische Jäger | Rat Hund Tat
Der akustische Jäger

By Internet Archive Book Images [No restrictions], via Wikimedia Commons

Der akustische Jäger

Mit gespitzten Ohren

Mit den akustischen Jägern sind in diesem Text nicht die Hunde gemeint, die durch Spurlaut-Gebell ihre Jagdsequenz kundtun. Es handelt sich um die Hundetypen, deren Auslöser zur Jagd ein akustischer Indikator ist. Die Hunde reagieren bereits auf Geräusche, sowohl über- als auch unterirdisch, die für den Menschen kaum wahrnehmbar sind. Ihr überaus beeindruckendes Gehör hört nicht nur das Geräusch an sich, sondern ortet den konkreten Standpunkt. Die Jagd starten sie zielgerichtet zur Quelle des akustischen Signals.

Die Ohrenform ist hierbei unerheblich, auch wenn man vermuten mag, dass ein Spitzohr besser hört als ein Schlappohr. Die Unterschiede sind marginal. Für die genaue Lokalisierung sind vielmehr die 17 Muskeln am Ohr zuständig, die die Lauscher in Richtung der Schallwelle bewegen bzw. drehen und gleichzeitig unterschiedlich voneinander ausrichten. Die Aufnahme der Schallwellen wird durch Witterungsverhältnisse beeinflusst, da sich die Amplitude der Welle durch die Dichte der Luft verändert. Ein Hund hört mit dem Wind besser als gegen den Wind gerichtet und bei Nebel klingen Geräusche dumpfer als bei klaren Luftschicht. Zur Identifizierung der Schallrichtung braucht der Hund gerade einmal zehn Mikrosekunden (der Mensch 30 bis 100 Mikrosekunden).

Die Hörfähigkeit der Hunde wird vielseitig vom Menschen genutzt. Sie sind als Frühwarnsystem für Erdbeben, Lawinen und Zunamis, als Rettungshunde im Schnee und in Trümmergebieten, aber vor allem auch als Jagdhunde im Einsatz.

Jagdhunde, die als »Distanz-Arbeiter« in hügeligen Gebieten entferntes Wild orteten, gehören mittlerweile der vergangen Zeiten an. Beispielsweise der Irish Wolfhound oder Deerhound, die zwar zu den Windhundartigen zählen, jedoch infolge der Sicht blockierenden Hügelketten den Reiz des Geräusches nutzten, um ihre Jagd zu starten.

Doch zumeist handelt es sich bei den akustisch motivierten Hunden um niederläufige bis knapp kniehohe Rassen, die für die Jagd in Kaninchen- und Dachsbauten gezüchtet wurden. Kleine flinke Hunde, vornehmlich Terrier, mit kurzen Beinen aus der Kategorie der Jagdhundrassen Solitärjäger. Solitär bezeichnet bereits ihre bevorzugte Jagdsequenz. Sie starten, vollziehen und beenden die komplette Jagd selbstständig und lehnen obendrein menschliche Hilfe häufig ab.

Ihnen schreiben die Menschen eine Sturheit oder schwere Erziehbarkeit zu, was aus hündischer Sicht eine Fehlinterpretation ist. Denn ihnen geht es pur um die Arbeit, die sie gewissenhaft und autark ausführen. Sie brauchen keine (aus ihrer Perspektive) unfähigen Menschen, die sie dabei behindern.

Sie sind kompromisslose kleine Killer, die bei Beutekontakt sofort zupacken und festhalten. Lässt die Beutegröße das »Totschütteln« zu, setzen sie es ein – das spart Kraft. Ihre Schonungslosigkeit ergibt sich aus ihrer Aufgabe. Denn vornehmlich sind ihre Beuteobjekte deutlich größer als sie selbst, und wehrhaft obendrein. Um selbst nicht zu Schaden zu kommen, müssen sie blitzschnell und erbarmungslos handeln.
Da die Hunde eine waghalsige Arbeit ausführen, muss sich das Betreten von Bauten oder Höhlen schon lohnen. Auf Verdacht einen Bau zu durchsuchen kostet Zeit und verschwendet Energie, die sinnvoller genutzt werden kann. Doch auch sich bewegende Beuteobjekte werden gejagt. Solitärjäger teilen ungern und reagieren äußerst ungehalten, wenn es um die Verteilung der Beute geht. Ihre Territorialität ist nicht zu übersehen.

Die Auslastung solitärer Jagdhunde gestaltet sich weniger durch akustische Signale, die der Mensch ohnehin kaum imitieren kann. Vielmehr geht es um die gemeinsame Jagd, die für die durchaus erwachsenen Charakterhunde existentiell sein sollte. Die Suche nach Futter und einem Futterbeutel bietet sich an. Da die Hunde Ressourcen gerne selbst verwalten, werden die Beuteobjekte so platziert, dass der Hund sie maximal anzeigen kann. Um sie zu erreichen ist er auf die Hilfe seines Menschen angewiesen. Das fördert die soziale Kooperationsbereitschaft, wenn auch künstlich hervorgerufen. Doch die Hunde sind intelligent und werden mit der Zeit die Vorteile der gemeinsamen Jagd zu schätzen wissen. Denn auch sie stellen die Bequemlichkeit vor die Anstrengung.

Zurück zu Instinkte des Hundes

Diese Seite teilen

  • Facebook

  • Twitter

  • google+

Rat und Tat

  • Kommunikationsformen

    Kommunikationsformen

    Hunde führen ihre Gespräche mit dem gesamten Körper, Lauten, Bewegungen und einer Positionierung ihr…

    mehr

  • Freunde fürs Leben

    Freunde fürs Leben

    Aus Wissenschaft und Forschung ist längst bekannt, dass ein Zusammenleben oder die bloße Gesellschaf…

    mehr

  • Kritische Betrachtung der Schutzhundeausbildung

    Kritische Betrachtung der Schutzhundeausbildung

    Aggressionsjunkies nennt PD Dr. Udo Gansloßer die Hunde aus der Schutzhund-Ausbildung, die aus purer…

    mehr

  • Urlaub mit Hund

    Urlaub mit Hund

    Für berufstätige Menschen, deren Alltag die Aktivitäten mit ihrem Hund einschränkt, ist ein gemeinsa…

    mehr

  • Revieren

    Revieren

    Nehmen Hunde beim Spaziergang die Nase kaum vom Boden und dazu gerne Gegenstände wie Holzstöcke o. Ä…

    mehr

  • Welpenerziehung

    Welpenerziehung

    Zieht ein Welpe neu bei einer Familie ein, beginnt mit dem Einzug die Erziehung. Eine sogenannte Ein…

    mehr

  • Schmecken

    Schmecken

    Während die Hunde über einen extrem spezialisierten Geruchssinn verfügen, ist ihr Geschmackssinn nur…

    mehr

  • Lingua Canini

    Hunde-Erziehungsberatung

    Individuelle Beratung rund um den Hund durch Erziehung, Training, Kurse, Einzel- und Gruppenstunden, Workshops, Seminare, Themenabende.

    www.linguacanina.com

Hundenachrichten

Besuchen Sie uns auf

  • facebook

    facebook
  • google+

    google+
  • twitter

    twitter
  • youtube

    youtube