Beißkraft des Hundes

Beißkraft des Hundes

Kraft und Druck

Das Gebiss eines Hundes kann enorme Kräfte aufweisen. Die Kraftübertragung steht im direkten Zusammenhang mit der Größe des Kopfes und Zahnbogens (Kiefer und Zähne) und der Muskelmasse am Kopf. Im Vergleich zu Primaten ist die Beweglichkeit des Kiefergelenks bei Kaniden eingeschränkt, denn ihr Gelenk ist ein Scharniergelenk, was nur auf und zu, jedoch nicht hin und her beweglich ist. Die mahlenden Kaubewegungen kann ein Hund nicht ausführen. Um seine Beute zerteilen zu können, braucht er entsprechende Kraft im Kiefer, damit er Fell, Haut, Sehnen und Knochen zerkleinern kann.

Kraft: 1N = 1kgm/s2

Die Beißkraft des Hundes wird in der Maßeinheit Newton (N – früher Kilopond) angegeben. Hierbei handelt es sich um die physikalische Größe bei der Gewicht, Strecke und Zeit in Verbindung gebracht werden. 1 N definiert die Kraft, die notwendig ist, um einen 1 kg schweren, ruhenden Körper auf 1 m/s2 zu beschleunigen. Klingt knifflig mathematisch und ist es irgendwie auch. Wir wollen auch gar nicht näher darauf eingehen, sondern nur klarstellen, dass die Beißkraft eines Hundes nicht in Tonnen angegeben werden kann. Tonnen ist die Maßeinheit für Masse, die sich auf die Trägheit und Schwere des Objekts bezieht.

Um definieren zu können, wie viel Kraft der Hund in seiner Kaumuskulatur hat, ist der Druck, der beim zusammenpressen der Zahnreihen aufgebaut wird, entscheidender. Auch gilt natürlich je größer und massige der Kopf, um so mehr Druck kann aufgebaut werden.

Druck: 1Pa = 1N/m2 = 1kg/ms2

Für das Zerteilen von Beute sind die Reißzähne gedacht, die sich im hinteren seitlichen Teil des Zahnbogens befinden. Beim Menschen wären es die ersten großen Backenzähne, die sogenannten Molaren. Die langen Eckzähne (Caninus) des Hundes sind die Fangzähne, mit denen er seine Beute festhält.
Um zähes und hartes Gewebe zu zerkleinern, muss der Hund mit den Reißzähnen arbeiten. Dabei übt er mit der Spitze des Zahns enormen Druck auf die Nahrung aus. Druck wird in Pascal (P) angegeben. Mit der physikalische Größe Pascal wird die Kraft berechnet, die auf eine Fläche ausgeübt wird.

Um die genaue Stärke des Hundebisses angeben zu können, sind vielerlei variable Faktoren zu berücksichtigen. Dazu zählen Kraft, Druck, Kiefergeometrie, Größe der Zahnoberfläche, mit der Druck ausgeübt wird, Objektauflagepunkt, Wirkungsrichtung und die tatsächlich ausgeübte Muskelanspannung in der Situation. Da man Tieren bei der Messung nicht sagen kann, dass sie jetzt so fest wie sie nur können zubeißen sollen, gibt es in der Wissenschaft nur vom Menschen zuverlässig Werte. Die Universität in Sydney entwickelte, zum besseren Vergleich verschiedener Tierarten, den Bite Force Quotienten BFQ als Standard. Er bildet sich aus der Kiefergröße, seiner Form und der Muskulatur. Bedeutet, er gibt die Beißkraft im Verhältnis zum Körpergewicht an.

Anhand einiger Zahlen gewinnt man einen kleinen Eindruck, was ein Hund mit seinem Kiefer im Vergleich zu anderen Lebewesen leisten kann.

Art - Körpergewicht in kg - Beisskraft (Bs) in N - Beisskraft (BFQ)

  • Löwe:  290 kg - 1768 N - 6,1 BFQ
  • Tiger:   250 kg - 1525 N - 6,1 BFQ
  • Wolf:      60 kg - 593 N - 9,9 BFQ
  • Mensch: 80 kg - 800 N - 10 BFQ

Verblüffenderweise scheint die Beißkraft des Menschen sehr viel höher zu sein, als die des Hundes.

Doch so verwunderlich ist das nicht, denn der stärkste Muskel beim Menschen ist der Musculus masseter, der große Kaumuskel. Ein offiziell gemessener Rekord liegt bei 4300 N.

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