Territorialverhalten übernehmen - Umgebung sichern

Territorialverhalten übernehmen - Umgebung sichern

Das Territorialverhalten hat die Funktion eine Umgebung für sich und die Sozialgemeinschaft zu sichern. 

Hunde kommunizieren ihr Territorialverhalten in erster Linie durch Urinieren und Koten, womit sie strategisch wichtige Stellen markieren.

Es ist nicht ausschließlich den Rüden ein Territorialverhalten zuzusprechen, ebenso gibt es Hündinnen, die in ihrem Hoheitsgebiet markieren und keine fremden Hunde tolerieren. Bei Hündinnen fällt dies vor allem auf, wenn sie selbstbewusste Charaktere sind, vor und während der Läufigkeit, Welpen tragen oder geboren haben.

Ein Territorium zu besitzen und das für alle sichtbar bzw. riechbar zu kommunizieren obliegt dem Ranghöchsten der Sozialgemeinschaft.

Zur Sicherung der Umgebung gehört das Urinieren an Wegeingängen, Wegkreuzungen oder entlang von Wegstrecken, vornehmlich am Anfang. Markante Punkte des Weges sind beispielsweise Grenzsteine und Absperrpfosten, an denen der Hund seinen Duftstoff weit nach oben setzt, damit andere Hunde in der Umgebung ihn nicht „übersehen“. 

Ein weiteres Merkmal für die Sicherung einer Wegstrecke ist das zickzack Laufen vor seinem Menschen. Der Hund wechselt dabei stetig die Wegseite von rechts nach links, schnüffelt kurz und markiert, wenn er es für wichtig hält. Dieses zickzack Laufen ist vergleichbar mit der Handhabung eines Blindenstocks.

Hunde die vorauslaufen kontrollieren und sichern den Weg für ihre Menschen.

Das Vorlaufen – Warten – Vorlaufen – Warten, als Erster in einer schwer einzusehenden Wegkreuzung stehen, als erster Kontakt zu fremden Menschen und Hunden aufnehmen oder in großen Bögen um seinen Menschen zu laufen, gehört ebenfalls zu Umgebungssicherung.

Hund läuft im zickzack voraus

Hund läuft im zickzack voraus

Das großzügige Umkreisen des Menschen ist vergleichbar mit einer Wagenburg, die im Kreis angeordnet ist.

Sie bildet eine Barriere zum Schutz der Menschen im inneren. Je enger der Hund umkreist, um so mehr ist er mit Kontrollverhalten beschäftigt, da er die Bewegungsfreiheit des Menschen mehr und mehr einschränkt. Ähnlich zur Wagenburg ist das Longieren eines Hundes, wobei der Mensch im Mittelpunkt steht und der Hund zum Einkreisen aufgefordert wird. 

Imitiert der Mensch die Verhaltensweisen des Hundes die Umgebung zu sichern glaubhaft, geben die meisten Hunde die anstrengende und verantwortungsvolle Aufgabe gerne ab.

Dafür imitiert der Mensch die Aktionen, die sein Hund auf einem Spaziergang zeigt.

Verständlicherweise uriniert nicht der Mensch, um das hündische Verhalten nachzuahmen, sondern er stellt sich an den Punkt, an dem der Hund intensiv schnüffelt. Dort scharrt er mit seinen Füßen, wie beim Schuhe abputzen auf einer Fußmatte und demonstriert damit ein Markierverhalten. Hebt der Mensch zuvor sein Bein, wie ein Rüde es macht, ist die Imitation perfekt.

Beobachten Menschen ihre Hunde auf Spaziergängen genau, erkennen sie zügig, welche Stelle ihr Hund markieren will und kommen ihm mit eigenem Markierverhalten zuvor.

Hund an lockerer Leine

Hund an lockerer Leine

Das zickzack Laufen des Hundes ahmt der Mensch nach, indem er ebenfalls hin und her pendelt und an den Wegrändern scharrt, während sein Blick die Umgebung kontrolliert.

Diese Imitation nehmen die meisten Hunde zur Kenntnis, selbst wenn sie vor dem Menschen laufen.

Mit der Zeit und etwas Übung läuft der Hund neben seinem Menschen und das Ziehen an der Leine lässt spürbar nach.

Den Erziehungsregeln folgend laufen Hunde im Sicherheitsbereich des Menschen, sprich neben oder hinter ihm, wobei es zwei Ausnahmen gibt.

1. Läuft der Hund hinter seinem Menschen, hat er ihn nicht im Blick. Nutzt der Hund das aus, um Unsinn anzustellen, zwingt er seinen Menschen, sich fortwährend nach ihm umzudrehen, was kontraproduktiv ist, wenn der Mensch die Umgebung sichern will.

2. Nähert sich von hinten jemand (ein Mensch mit Hund, Fahrradfahrer, Nordic-Walker, Jogger, etc.), nimmt der Mensch den Hund in seinen Sicherheitsbereich nach vorne.

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, womit der Mensch für Sicherheit sorgen kann.

Auf einem Spaziergang weist er seinem Hund die Lösestellen zu, scharrt über oder neben den Urin und sammelt Kot direkt ein. Bei Fremdhund-Begegnung nimmt der Mensch zuerst den Kontakt auf, lässt seinen Hund im Abstand absitzen, um einen Menschen per Handschlag zu begrüßt und steht als Erster in einer Wegkreuzung, um den Weg zu kontrollieren, bevor der Hund folgt. Startet der Mensch die Arbeit mit dem Futterbeutel oder andere Übungen, sichert der Mensch das ausgewählte Übungsgelände durch Territorialverhalten – er markiert.

Die Umgebung zu sichern gilt gleichermaßen für das erste und zweite Umfeld.

Haus und Garten ist das Territorium des Menschen und nicht des Hundes. In der Praxis sichert der Mensch den Garten, bevor er mit seinem Hund darin aktiv wird. Besucher werden sowohl im Haus, als auch im Garten zuerst von dem Menschen begrüßt, es ist nicht der Besuch des Hundes. Liegeplätze werden in beiden Umfeldern zugewiesen, der Hund ist nie ohne Bezugsperson im Garten und Besucher-Hunde müssen sich ebenfalls an die Hausordnung halten.

zugewiesener Liegeplatz im Garten

zugewiesener Liegeplatz im Garten

Was zunächst nach umfangreicher Arbeit klingt, ist nur halb so aufwendig, wie es sich liest.

Je territorialer sich der Mensch verhält, umso mehr Sicherheit vermittelt er seinem Hund, was nicht nur für Welpen und unsicherere Hunde ein großer Gewinn ist.

Territoriale Hunderassen werden ihre genetische Veranlagung daraufhin nicht ablegen, aber sie sind müheloser beeinflussbar, was deren Erziehung und Handhabung erleichtert.

Probieren Sie es einmal aus. Beobachten Sie ihren Hund intensiv, ahmen zunächst nach, was er ihnen täglich vor Augen führt, und später übernehmen Sie diese Handlungen selbstständig. Es ist denkbar, dass ihr Hund um einiges unbeschwerter wird und ihnen mehr Aufmerksamkeit schenkt, weil sie mehr Führungsqualitäten zeigen.

Hinweis:

Hat der Hund gelernt, dass sein Mensch die Umgebung stetig kontrolliert und sichert, spricht nichts dagegen, den Hund auch mal vorlaufen zu lassen. Er wird sich freiwillig seinem Menschen anschließen, wenn sich Unbekanntes nähert, und wartet vor Wegkreuzungen.

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