Sachsen-Anhalt plant Änderung des Hundegesetzes

Sachsen-Anhalt plant Änderung des Hundegesetzes
20. Mai 2015

Hunde, die Menschen mit ihren Zähnen verletzen, gelten in Sachsen-Anhalt grundsätzlich als gefährlich. Leon, ein Coton de Tuléar, steht in Merseburg auf gleicher Höhe mit Pit-Bull und Co.

Im Hundegesetz in Sachsen-Anhalt steht unter §3 Abs. 3 Nr. 1 - 4, dass grundsätzlich jeder Hund als gefährlich eingestuft werden darf. Im Überblick besagt die Regelung, dass darunter alle Hunde fallen, die auf Kampfbereitschaft gezüchtet, ausgebildet oder abgerichtet sind, die bereits gebissen haben, die wiederholt Menschen gefährdeten und die durch unkontrollierbares Verhalten andere Tiere hetzen oder reißen.

Und genau diese Formulierungen verhalfen dem vier Jahre alten Rüden Leon, aus der Rasse der Coton de Tuléar, dazu, auf die Liste der »gefährlichen Hunde« zu kommen. Denn Leon biss im Juli 2014 einer Paketbotin in die Wade, wobei es zu keiner offenen Verletzung kam.

Die Verletzte erstatte Anzeige. Obwohl die Staatsanwaltschaft das Verfahren zur fahrlässigen Körperverletzung einstellte, ließ das Ordnungsamt nicht locker. Andrea Werner, die Besitzerin von Leon, muss noch in diesem Monat ihre Sachkunde in Theorie und Praxis unter Beweis stellen. Leon darf nur mit Maulkorb und Leine geführt werden. Auf dem hauseigenen Grundstück ist ihm der Freilauf untersagt, weil der Garten nicht eingefriedet ist. Zudem wurde die Hundesteuer von 48 auf 480 Euro erhöht, entsprechend der Regelung für gefährliche Hunde. Eine beträchtliche Summe für einen gerade einmal sechs Kilogramm schweren Hund.

»Das Gesetz lässt uns kaum Ermessensspielraum. Wir müssen in solchen Fällen von Amts wegen tätig werden«, sagt Amtsleiter Folkmar Bothe. Für die Behörden bedeuten Sonderfälle dieser Art eine Gratwanderung. Um hier einen passenden Handlungsspielraum zu ermöglichen, trifft sich am Wochenende eine Arbeitsgruppe der Regierung zur Überarbeitung des bestehenden Hundegesetzes.


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