Zugeschaut und nachgemacht

Zugeschaut und nachgemacht
10. September 2014

Das Verhalten von Artgenossen nachzuahmen liegt in der Natur sozialer Lebewesen. Bei einem Vergleich zwischen Wolf und Hund zum Nachahmungsverhalten liegt der Wolf weit vorn.

Bei einem Experiment der Verhaltensbiologinnen Friederike Range und Zsófia Virányi zeigten sich Wölfe untereinander interessiert und aufmerksam, während ein Artgenosse eine Aufgabe löste. Die Aufgabe bestand darin, an das Futter in einer geschlossenen Holzkiste zu gelangen.
Im ersten Versuch wurde ein trainierter Hund an die Kiste gelassen, der sie problemlos öffnen konnte.

Die Wölfe beobachteten sein Vorgehen und ahmten, als sie selbst an der Reihe waren, die Lösung direkt nach.

»Die Wölfe haben sehr genau beobachtet, was ihnen vorgemacht wurde und konnten dieses Wissen zum Lösen des Problems anwenden«, erklärt Range. Die untrainierten Hunde, denen es ebenfalls vorgemacht wurde, verhielten sich bei der Aufgabe so, als hätten sie die Lösung nicht gesehen.

Um Rückschlüsse auf ein Nachahmungsverhalten ziehen zu können, musste zunächst geklärt werden, ob Wölfe grundsätzlich die besseren Problemlöser sind. Dazu konnten einige Wölfe einen trainierten Hund beobachten, wie er die Kiste mit der Schnauze öffnete. Eine andere Gruppe Wölfe sah zu, wie der Hund die Kiste mit der Pfote aufmachte. Tatsächlich zeigten entsprechende Gruppen das gleiche Problemlösungsverhalten, welches ihnen vorgemacht wurde.

Gleiches wurde mit den Hunden versucht und erneut zeigte sich, dass Hunde über "learning by doing" die Aufgabe zu lösen versuchten.

Daraus schließen die beiden Wissenschaftlerinnen, dass Hunde ihre Fähigkeiten zur genauen Beobachtung verloren haben. Sie lernen nicht mehr im direkten Zusammenhang mit Artgenossen, vermutlich, weil es durch die Domestikation nicht notwendig ist. »Dies kommt wahrscheinlich daher, dass Wölfe sehr viel stärker auf die Koordination mit Artgenossen angewiesen sind als Hunde und daher auch aufmerksamer auf die Aktionen ihrer Partner achten«, erklärt F. Range.

»Hunde haben diese angeborene soziale Fähigkeit zur Kooperation auf den Menschen ausgeweitet und akzeptieren ihn als Sozialpartner.«

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