Der Futterbeutel im 2. Umfeld

Der Futterbeutel im 2. Umfeld

Nachdem die Fütterung aus dem Futterbeutel, inklusive Apportieren im ersten Umfeld etabliert sind, verlegt der Mensch die nächste aktive Lernphase in das zweite Umfeld.

Im Garten gibt es vermehrt Ablenkungsreize wie Bewegungen und Gerüche. Ein paar Hunde konzentrieren sich auf die Außenreize, andere ziehen die Interaktion mit ihrem Menschen und dem Futterbeutel vor. Wer keinen Garten hat, sucht sich ein ruhiges Wiesengelände, wo er ungestört mit seinem Hund üben kann.

Lässt sich bei außenorientierten Hunden nicht Ad-hoc feststellen, was die Aufmerksamkeit auf sich zieht, sichert der Mensch die Umgebung, indem er hündisches Verhalten nachahmt. Lesen Sie mehr darüber in Territorialverhalten übernehmen und Umgebung sichern.

Ist die Umgebung gesichert und hat der Hund sein Basalbedürfnis - sich Lösen – erledigt, geht es los.

Der Mensch hat zahlreiche Möglichkeiten, seinen Hund den Futterbeutel erjagen zu lassen. Sie finden hier Vorschläge zu verschiedenen Übungen. Detaillierte Beschreibungen, wie einzelne Übungen aufgebaut werden, finden Sie unter Hundetraining.

Art und Weise der Übung ist vom Entwicklungsstand des Hundes abhängig. Je jünger ein Hund ist, umso mehr Erziehung fließt in die Übungen ein. Einige der hier beschriebenen Beispiele sind eher für fortgeschrittene Mensch-Hund-Teams geeignet. Stellen Sie fest, dass die gewählte Übung ihrem Hund sehr schwerfällt, gehen Sie mit der Anforderung zunächst einen Schritt zurück.

Die Basiskonditionierung, zu der die Grundsignale sitz, down / platz, stopp, bei / hier gehören, immer wieder zu üben, festigt die Erinnerung.

Damit der Hund den Sinn in den Übungen der Basiskonditionierung versteht und die Freude daran nicht verliert, wird dabei der Futterbeutel apportiert. Während der Hund die Signale wiederholt, übt der Mensch an seiner Körpersprache.

Basiskonditionierung down Signal

Basiskonditionierung down Signal

Das Perfektionieren der Körpersprache ist für non verbale Interaktionen unerlässlich.

Bei non verbalen Interaktionen achtet der Hund extrem auf seinen Menschen, was die Konzentrationsfähigkeit verbessert. Non verbale Übungen sind überaus anstrengend für den Hund, daher bitte darauf achten, dass er nicht überfordert wird. Für fortgeschrittenere Mensch-Hund-Teams kann die Art der Kommunikation eine neue Herausforderung sein.

Unter Hundevideos haben wir für Sie Apportierübungen zusammengestellt, die das Vorgehen und die Körpersprache erklären.

Neben der Basiskonditionierung werden erste Distanzübungen gelernt - mit und ohne Leine.

Bei Distanzübungen wird der Hund auf einen sichtbaren Punkt, beispielsweise eine Leine oder eine kleine Decke geschickt. Dort platziert wartet er auf die Anweisung seines Menschen. Nachdem er den Futterbeutel apportierte und abgab, wird er erneut auf die Leine/Decke geschickt. Diese Übung verhilft dem Mensch-Hund-Team später, im dritten Umfeld, zu einem erweiterten Aktionsradius. Plant der Mensch, mit seinem Hund Treibball zu machen hilft diese Übung, um den Hund zwischendurch aus der Aktion zu nehmen, um Ruhe in den Ablauf zu bekommen.

Problemlösungsaufgabe Pylonen

Problemlösungsaufgabe Pylonen

Mitdenken-Aufgaben, sprich Problemlösungsaufgaben steigern die Konzentration des Hundes und fördern sein Selbstbewusstsein.

Selbstbewusste Hunde reagieren in für sie schwierigen Situationen überlegt, gelassen und kontrollierbar. Bei Problemlösungsaufgaben lernt der Hund von seinem Menschen, den Futterbeutel aus Hindernissen zu erarbeiten. Hierzu habe ich Ihnen einige Varianten zu Übungen aufgelistet:
Der Futterbeutel wird unter Eimer oder Pylonen gelegt, die der Hund umkippen muss, um an die Beute zu kommen.

Alte Autoreife (ohne Felge) zu einem Turm aufgestapelt, der Futterbeutel in den Turm oder einen der Reifen gelegt. Der Hund wirft die Reifen um und findet den Beutel.

Der Futterbeutel wird zwischen gestapelten Holzscheiten versteckt. Der Hund sucht das geschichtete Holz ab, bis er den Beutel gefunden hat. Eine besondere Herausforderung für den Hund ist frisch geschnittenes Holz, da es intensiv riecht.

Futterbeutel in Autoreifen

Futterbeutel in Autoreifen

Der Futterbeutel wird an ein langes Seil gebunden und in eine Astgabel gelegt oder in eine Röhre geschoben. Der Hund zieht am Seilende den Futterbeutel aus dem Versteck. Dabei lernt er das neue Signal: zieh.

Der Futterbeutel wird am Ende einer mit Speiseöl gelegten Duftspur durch das Übungsgelände platziert. Der Hund arbeitet, wie bei der Fährtenarbeit, zunächst die Duftspur aus, bevor er den Futterbeutel erreicht.

Der Schwierigkeitsgrad wird durch das Erjagen von zwei und mehr Futterbeuteln gesteigert.

Je mehr Beutel im Spiel sind, umso anstrengender ist es für den Hund, da er nicht weiß, in welchem der Beutel seine Hauptmahlzeit ist. Damit der Hund nicht herausfindet, in welchem Beutel die Hauptmahlzeit ist, müssen alle Beutel von gleicher Beschaffenheit sein, denn nicht wenige Hunde ignorieren „nutzlose“ Beutel gerne.

Bei Trockenfutter sind weitere Beutel der einfachheitshalber ebenfalls mit Trockenfutter gefüllt. Bei Hunden, die BARF bekommen, kann ein nasses (ergibt das Gewicht) Handtuch zusammengerollt in einem Gefrierbeutel in den Futterbeutel gelegt werden. Die Beutel sollten ein ähnliches Gewicht haben, da Hunde in der Tat lernen, Beutel zu „wiegen“. Schwerere Beutel versprechen mehr Inhalt.

Futterbeutel im Wasserbad

Futterbeutel im Wasserbad

Bei Hunden, die gerne apportieren und denen es gleichgültig ist, was in dem Beutel ist, können Weinkorken genutzt werden.

Ein mit Weinkorken gefüllter Beutel schwimmt, wodurch Wasserstellen (Teiche, gefüllte Wannen und Eimer oder Ähnliches) in die Übung eingebaut, sich anbieten.

Alternativ zu dem nassen Handtuch kann ein Kauartikel, den der Hund gerne frisst, in den Beutel gelegt werden.

Das Üben von Spannung und Entspannung zur Selbstkontrolle des Hundes ist eine tolle Übung für Mensch und Hund. Es ist die Grundlage, um später gemeinsam zu Pirschen.

Bei dieser Übung wird eine klassische Apportierübung nach vorn aufgebaut. Der Mensch spannt seinen Körper an, nimmt die Haltung zum Apportieren ein, das Handsignal bleibt verhalten beim Menschen. Der Hund weiß bereits, dass erst bei ausgestrecktem Handsignal der Apport freigegeben ist und achtet präzise auf die Handbewegung seines Menschen.
Der Mensch bewegt sich in Zeitlupe, geht tiefer in den Knien, verlagert dabei sein Gewicht auf den vorderen Fuß, immer zielausgerichtet. Stellen Sie sich vor, sie möchten ein Huhn fangen. Damit das gelingt, müssen Sie sich nahezu unsichtbar bewegen.
Der Hund spannt sich mit jeder kleinsten Bewegung des Menschen an und erwartet das Handsignal, dass der Mensch vorschnellen lässt. Überträgt der Mensch seine Anspannung auf seinen Hund, explodiert der Hund geradezu, wenn das Handsignal kommt.
Startet der Hund zu früh – er hält die Spannung einfach nicht aus – nimmt der Mensch die Spannung raus – er stellt sich dazu wieder aufrecht hin → Entspannung. Der Hund wird wieder seitlich positioniert, nach einigen Minuten baut der Mensch erneut die Spannung auf.

Beim Üben von Spannung und Entspannung findet unglaublich viel non verbale Kommunikation zwischen Mensch und Hund statt.

Bleiben Sie cool, wenn ihr Hund zu früh startet, schließlich geht es vorrangig um die Gemeinsamkeit, obwohl am Ende die Hauptmahlzeit steht. Die Übung macht, bei gezügeltem Ehrgeiz des Menschen, den meisten Hunden riesigen Spaß.

Hinweis:
Weniger ist oft mehr im Training. Arbeitet Ihr Hund begeistert mit, beenden Sie die Übung lieber früher, bevor die Motivation und Konzentration des Hundes nachlässt. Nutzen Sie die übrige Zeit zum gemeinsamen Entspannen auf einer Decke. Streicheln und Berührungen fördert die Vertrautheit von Mensch und Hund.

 

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