Irrtümer der Welpenerziehung

Irrtümer der Welpenerziehung

Zahlreiche Redensarten über Welpen und seine Erziehung kreisen weiterhin durch die Köpfe vieler Hundebesitzer.

Insbesondere die Redensarten, die sich als Mythos oder Irrglaube herausgestellt haben, verhindern einen artspezifischen Umgang mit dem Hund. Die Erziehung eines Welpen ist bei dem heutigen Wissens- und Aufklärungstand kein Mysterium mehr. Dennoch setzen viele Welpenbesitzer bereits nach kurzem Zusammenleben mit dem jungen Hund voraus, dass "es" nun endlich klappt.

Ein Welpe wird schneller stubenrein, wenn man seine Nase in die Pipi Pfütze tunkt.

Diese Annahme ist nicht nur ein Irrtum, sondern auch unverständlich und ekelig für einen Welpen. Für die Stubenreinheit brauchen Welpen ein Blasentraining und eine sicherere Umgebung. Ein Welpe löst sich an dem Ort, wo er von fremden erwachsenen Hunden geruchlich nicht wahrgenommen wird, am ehesten.

Der hat doch noch Welpenschutz!

Welpenschutz haben Hunde nur innerhalb ihrer eignen Blutsverwandten. Das bedeutet, dass ein Welpe der als Zweithund in eine menschliche Familie aufgenommen wird, bereits keinen Anspruch auf den Welpenschutz hat. Wenn es in der zukünftigen Familie schon vonseiten des Ersthundes zu intensiver Zurückweisung kommen kann, dann erst recht bei fremden Artgenossen.

Welpenbeißen hört von alleine auf.

Die Beißhemmung entwickelt sich bereits in der Prägephase. Im Spiel mit den Geschwistern lernt ein Welpe, dass festes Zubeißen seinem Geschwister Schmerzen zufügt. Dem Charakter entsprechend wird der gebissene Welpe reagieren.

In vier bis sechs Wochen ist der Welpe aus dem Gröbsten raus.

Oder »Welpenerziehung leichtgemacht« oder Ähnliches. Das kann niemals richtig sein, wenn es dem Hundebesitzer wirklich um Erziehung geht. Bedenkt man, dass Hunde frühestens mit dem 2. Lebensjahr als erwachsen gelten, kann die Erziehung nicht mit dem 5 Lebensmonat abgeschlossen sein. Insbesondere der Welpenerziehung sollte der Hundebesitzer Zeit einräumen. Langsam, konstant und artgerecht Lernen zu dürfen wirkt sich sehr viel positiver auf die Mensch-Hund-Beziehung aus, als ruckzuck durch die Kinderstube.

Welpen brauchen Welpenfutter.

Nein, eher das Gegenteil. Welpen brauchen nichts weiter als eine gesunde Ernährung. In den meisten Fällen sorgt industriell hergestellte Welpenfutter nur dafür, dass Welpen zu schnell wachsen.

Welpen müssen früh an fremde Hunde gewöhnt werden.

Was bedeutet hierbei »früh« und »fremde Hunde«? Welpen sollten zunächst die ersten Schritte von Vertrauen zu ihren Hundebesitzern aufbauen, bevor sie sich mit anderen Artgenossen auseinandersetzen müssen. Die Gewöhnung an fremde Hunde fällt dem Welpen sehr viel leichter, wenn er weiß, dass sein Mensch ihn schützen wird, wenn notwendig. 
Spielen mit fremden Welpen fördert die soziale Kompetenz nur, wenn die Welpen im Spiel angeleitet werden. Die Begegnung mit fremden erwachsenen Hunden kann für Welpen brisant sein, da sie keinen Welpenschutz haben.

Welpen Begegnung

Welpen Begegnung

Welpen sind alle süß / immer lieb.

Manche Welpen sehen eher süß aus, als dass sie es wirklich sind, zumindest zeitweilig. Tyrannisiert der »ach so süße Welpe« seine menschliche Familie, denken diese Menschen ganz anders über diesen Satz. Hinter so manchem süßen Welpengesicht versteckt sich hin und wieder auch ein Rabauke. Warum und weshalb der Welpe plötzlich wie wahnsinnig wirkt, kann vielerlei Gründe haben. Fakt ist jedenfalls, dass Welpen, bloß weil sie mit einem süßen Antlitz aufwarten, nicht grundsätzlich pflegeleicht sein.

Welpen müssen regelmäßig entwurmt werden.

Nein, bitte nicht. Welpen sollten nur dann ein Wurm und -larven giftiges Medikament schlucken, wenn ein Befall im Labor bestätigt ist. Die Medikamente zerstören nämlich auch die Darmflora.

Welpen müssen erst noch lernen, an der Leine zu laufen.

Welpen besitzen ein natürliches Folgeverhalten, was dafür sorgt, dass sie ihren Hundeeltern hinterherlaufen und nacheifern. Dieses Folgeverhalten bringen die meisten Welpen in die neue menschliche Familie mit. Aber sie folgen nur dorthin, wo es für sie sicher erscheint. Geht der Mensch zu früh mit seinem Welpen an der Leine spazieren, versucht der Welpe, sich dagegen zu wehren. Der Welpe bleibt entweder stehen oder zieht in die entgegengesetzte Richtung. Lesen Sie hierzu weiter unter positiven Leinenaufbau und Welpenschutz.

Gibt man einem Welpen einen alten Schuh zum Zerbeißen, lässt er die neuen Schuhe zufrieden.

Das ist leider nicht wahr, da ein Welpe den Unterschied zwischen Alt und Neu und für den Menschen wichtig und unwichtig nicht kennt. Für einen Welpen ist ein Schuh einfach ein Kau- oder Spielartikel, mit dem er die Aufmerksamkeit seines Menschen bekommt. Die Hunde Kauartikel in Schuhform sind demnach kontraproduktiv zu »bitte lass unser Schuhregal zufrieden«. Das gilt selbstverständlich auch für alle anderen Objekte im Haus, die für einen Welpen tabu sein sollen.

Einen Welpen bestraft man durch Nackenschütteln oder auf den Rücken drehen (Alphawurf).

Weder noch! Zum einen sollten Welpen nicht bestraft werden, denn sie gehen davon aus, nichts falsch zu machen. Das bedeutet, dass eine Bestrafung ist für Welpen unverständlich ist. Zum anderen ist das Nackenschütteln eine Tötungssequenz der Jagd und der sogenannte Alphawurf als aktive Erziehungsmaßnahme eine gänzlich menschliche Erfindung.

Knurren Welpen Kinder an, ist ihnen nicht zu trauen.

Hunde können nur auf hündische Weise »sprechen«. Knurren ist ebenso eine Kommunikationsform wie Jaulen, Bellen, Fiepen, Winseln oder Heulen. Wenn einem Welpen etwas nicht passt, was ihm durchaus zusteht, er sich vor etwas fürchtet oder er einfach warnt, damit er nicht beißen muss, knurrt er. Das ist normal, hündisch und sollte dem Welpen niemals verboten werden. Denn lernt ein Welpe, dass Knurren nicht erlaubt ist, bleibt ihm nichts Anderes übrig, als direkt zuzubeißen.

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