Umzug mit dem Hund

Umzug mit dem Hund

Für Hunde bedeutet der Umzug in ein neues Zuhause ebenso viel Veränderung wie für den Menschen.

Dürften Hunde frei von Beeinflussung des Menschen leben, wie es ihrer Natur entspricht, würden sie in einem Rudel, in ihrem eigenen Revier leben. Das eigene Revier bedeutet Sicherheit und Schutz für das Hunderudel. Ist das Nahrungsangebot ausreichend, sind sie Standort treu – sie verlassen ihr Revier nicht und verteidigen es, wenn notwendig. Mehr dazu unter Verhaltensweisen.

In Menschenhand lebende Hunde haben diese Revieransprüche, je nach Hunderasse unterschiedlich ausgeprägt, ebenfalls. Unsere Haushunde fühlen sich wohl in ihrem Revier, das vielleicht ein eigener Garten ist, eine sich stets wiederholende Spaziergehstrecke, eine große Wiese, auf der Mensch und Hund sich miteinander beschäftigen, oder befreundete Hunde ausgelassen toben. 

Durch einen Umzug verändert nicht nur der Menschen sein Leben, sondern auch das seines Hundes.

Hunde hinterlassen während Spaziergängen, durch Urin und Kot absetzen, Duftmarken, durch die sie sich untereinander signalisieren, wer in diesem Revier was »zusagen« hat. Die bereits in dieser Umgebung lebenden Hunde sind für den Neuzugang zwar geruchlich sofort zu erkennen, könnten jedoch einschüchternde Duftmarken hinterlassen. Das Löseverhalten dient der Informationsweitergabe, die oftmals für den Menschen gar nicht so sehr zu erkennen ist, vor allem dann nicht, wenn es auf Spaziergängen oder in der Nachbarschaft keine Probleme zwischen Hunden gibt.

Stadt-Hund

Stadt-Hund

Vom Großstadt-Cowboy zum Landei – und umgekehrt.

In einer Stadt aufgewachsene Hunde, setzen zwar auch Duftmarken ab, jedoch besteht nur selten die Möglichkeit auf ein echtes eigenes Revier. Es gibt zu viele Artgenossen, mit denen sie teilen müssen. In den Straßen ist das »Duftangebot« sehr viel höher als in ländlicherer Umgebung. Junge Hunde lernen mit der Zeit, die Düfte zu Kategorisieren in wichtig – unwichtig. Sie desensibilisieren ihre Nasen, um der Reizüberflutung zu entgehen, um sich selbst nicht zu überfordern. Gleiches gilt für Bewegungsreize, Geräusche und andere Hunde. Echte Kampfsituationen zweier Hunde sind in einer Stadt sehr viel seltener als in ländlicher Umgebung.

In ländlicher Umgebung aufgewachsene Hunde entwickeln ein feines Näschen für Gerüche.

Sie wissen sehr genau, wo welcher Hund sein zuhause hat, wo Wildtiere zu finden sind, wissen was Kühe, Pferde, Schafe oder Schweine sind und welche Nahrungskonkurrenten (Katze, Fuchs und andere Fleischfresser) durch ihr Revier streifen. Ein als Landei lebender Hund hat fast immer sein eigenes Revier, in dem er nur befreundete Hunde toleriert. Geräusche und Bewegungsreize sind marginal bzw. anders als in einer Stadt. Revier Besitzanspruch Kämpfe finden zwischen Land-Hunden häufiger statt, sofern die Menschen es zulassen. Außerdem haben die meisten Land-Hunde sehr viel öfter Freilauf als Stadt-Hunde. In Städten besteht fast ausnahmslos Leinenpflicht.

Tauschen diese beiden Hunde nun ihren Lebensraum, sind sie gleichermaßen überfordert.

Für den Stadt-Hund gibt es eine erneute geruchliche Reizüberflutung, da er die ländlichen Gerüche in seiner Kindheit nicht oder nur partiell kennengelernt hat. Neu ist nun auch, dass er sein eigenes Revier, z.B. einen Garten bekommt. Auf Spaziergängen lernt er zunächst die vorhandenen Hunde über ihre Duftmarken kennen, später auch durch Sichtkontakt und vielleicht sogar durch Spielmöglichkeiten. Mit der Geräuschkulisse, aber auch den Bewegungsreizen lernt er schnell zu interagieren, zumal sie deutlich reduzierter sind als zuvor.

Für den Land-Hund ist der Duftpool einer Stadt eine große Herausforderung.

Ebenso die Geräusche und Bewegungsreize, die auf ihn einströmen. Einigen Hunden fällt es schwer, sich für eine adäquate Lösestelle zu entscheiden – nicht zuletzt, weil alle anderen Hunde ebenfalls das städtische Hundeklo benutzen. Die Situation des Hundes ist vergleichbar mit einem Menschen auf einer Bahnhofstoilette. Es gibt nur wenige Menschen, denen es rein gar nichts ausmacht, dort ihre Notdurft zu verrichten.

Land-Hund in der Stadt

Land-Hund in der Stadt

Inwieweit sich der Hund nach seinem Umzug in die neue Umgebung integrieren kann, hängt vor allem von seinem Menschen ab.

Zusätzlich nehmen Genetik (Rasse), Instinkte und Charakter des Hundes Einfluss auf seinen zukünftigen Habitus. Konnte sich der Hund aber immer darauf verlassen, dass sein Mensch schwierige Konstellation für ihn zuerst kontrolliert, wird er sich in der neuen Umgebung auch an seinem Menschen orientieren.

Bei einer unsicheren Mensch-Hund-Beziehung lassen sich im Habitus des Hundes, aufgrund der neuen Umgebung, vermehrt Unsicherheiten erkennen.

Eine erhöhte Schreckhaftigkeit, Intoleranz oder Distanzlosigkeit gegenüber Menschen, spielenden Kindern oder Artgenossen ist nicht auszuschließen. Hunde, die gar keine Beziehung zu ihren Menschen haben könnten nach einem Umzug derart überfordert sein, dass sie resignieren. Sie zeigen keinerlei Reaktionen auf irgendetwas, es sei denn, die Situation erinnert sie an ihr früheres Leben.

Selbstverständlich gibt es Hunde, denen es kaum etwas ausmacht, umgesiedelt zu werden. Für sie ist es nur wichtig, bei ihren Menschen zu sein. Sie fügen sich nach dem Umzug problemlos in das neue Leben und die Umgebung ein. Bei Hunden, denen es schwerfällt, sich nach einem Umzug einzuleben, kann bzw. sollte der Mensch sehr viel tun, um seinem Hund zu helfen.

Lesen Sie mehr zu dem Thema Menschengewöhnung und zu dem Thema Umzug mit Hund auf dieser Seite.

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