Unerwünschtes Jagdverhalten

Unerwünschtes Jagdverhalten

Zunächst einmal: Alle Hunde sind Jäger, denn für einen Karnivoren ist es biologisch, jagen zu gehen.

Hunde aus der Kategorie der Jagdhundrassen zeigen ihren ausgeprägten Jagdinstinkt, weil er durch die Zucht vervollkommnet wurde.

Wer einen Hund aus dieser Rassengruppe führt, darf sich über sein Verhalten nicht wundern oder ärgern.

Zeigt ein Hund unerwünschtes Jagdverhalten, ist ein Anti-Jagd-Training, sofern es sich nicht um eine Anleitung zu einer kontrollierten, gemeinsamen Jagd handelt, kontraproduktiv zur Bedürfnisbefriedung des Hundes. Denn Anti – also Gegen – bedeutet, gegen die natürlichen Instinkte des Hundes zu arbeiten.

Die bevorzugten Jagdsequenzen der Hunde kündigen sich bereits bei Spaziergängen an. Einige Hunde nehmen zunächst eine Fährte auf und suchen so mögliche Beute. Andere Hunde sind optisch orientiert und reagieren auf Bewegungsreize. Sie starten die Jagd bei flüchtigem Wild. Eine dritte Variante zeigen die apportierenden Hunde, die sich während eines Spaziergangs etwas zu tragen suchen. Die akustisch orientierten Hunde reagieren auf die, für den Menschen nicht wahrzunehmenden Geräusche von Mäusen oder Ähnlichem, im Boden.

Prinzipiell besteht jedoch eine Mischung aus diesen Jagdsequenzen, die sich aneinanderreihen.

Um Hunde nun von einer unkontrollierten Jagd abzuhalten, braucht der Hundebesitzer angepasste Übungen, Zeit und vor allem Geduld. Hunde, die bereits ohne ihren Menschen erfolgreich jagten, sprich Beute in irgendeiner Form machen konnten, lassen sich schwieriger von ihrem Bedürfnis abhalten, als unerfahrene Hunde.

Hinweis

Eine dauerhafte, erfolgreiche Verhaltensmodifikation kann nur durch artgerechte Auslastung und Berücksichtigung der genetischen Vorlieben des Hundes geschehen. Wird das Jagdverhalten zwanghaft unterbrochen oder verhindert, verlagert der Hund sein Bedürfnis auf andere Aspekte. Ein Resultat kann das Jagen von unnatürlicher Beute wie Autos, Jogger, Fahrradfahrer oder Ähnliches sein. Je nachdem, wie und wann eine Jagdsequenz unterbrochen wird, lernt der Hund ein Meideverhalten und entwickelt Frustration, die er bei anderer Gelegenheit kanalisieren wird.

Lösungsansatz

Als erste Sofortmaßnahme sollte der Hund nicht mehr Leinenfrei unterwegs sein. Damit ist zunächst sichergestellt, dass er sich nicht verselbstständigt.

Suchspiele und Fährtenarbeit mit unterschiedlichen Gerüchen eignen sich für Hunde, die stets mit der Nase am Boden sind.

Sie imitieren die SpurensucheApportierübungen für Hunde, die gerne etwas aufnehmen und tragen. Hier kann ein Futterbeutel zum Einsatz kommen. Die Reizangel und ein Futtersack-Frisbee als Ersatz für Hunde die gerne hetzen sind hilfreiche Alternativen.

Füttern aus dem Futterbeutel

Füttern aus dem Futterbeutel

Der Gedanke dabei ist, dass der Hund natürlich jagen darf und er erfolgreich ist, wenn er die Anweisung seines Menschen befolgt. Der zielführende Abschluss, die gemachte Beute (Futterportion) imitiert den angeborenen Nahrungserwerb.

Arbeitet er selbstständig und ignoriert die Hinweise des Menschen, entscheidet der Hund sich gegen eine Kooperation. Der Hund folgt seinem Instinkt und akzeptiert den Menschen nicht als Entscheidungsträger. Zur Modifikation in ein kontrolliertes Jagdverhalten des Hundes, sollte er nun die Konsequenzen seiner Entscheidung kennenlernen.

Bedenke

Die Kooperationsbereitschaft der Hunde ist von ihrem Charaktertyp, dem Alter, ihrer bisherigen Erfolgserlebnisse und nicht zuletzt der Fähigkeit der Menschen abhängig. Da es viele unterschiedliche Jagdvarianten (Sicht, Spur, Hetzen, Stöbern, Pirschen, Revieren, etc.) gibt, kann hier kein allgemeingültiger Lösungsansatz aufgezeigt werden. Erwachsene Charaktertypen und Solitärjäger beispielsweise, die sich autoritär nicht beeindrucken lassen oder genetisch auf die Einzeljagd gezüchtet sind, brauchen eine entsprechend ihrer Veranlagung anspruchsvolle Aufgabe, bei der sie nötigenfalls die Konsequenz für selbstständiges Jagen kennenlernen.

Wir empfehlen eine professionelle Anleitung, wobei zuvor eine genaue Analyse der Mensch-Hund-Beziehung an erster Stelle stehen sollte. Bei der Analyse soll sich zeigen, wie und womit der Mensch seinem Hund imponieren kann, welche mentale Stärke der Hund besitzt und was für eine Gemeinsamkeit Mensch und Hund Freude bereitet. Ein strukturierter Aufbau der Methodik beugt Fehlkonditionierungen und ein zusammenhangloses Timing vor. Da hierbei mit der Lebensressource des Hundes, seinem Futter, gearbeitet wird, raten wir dringend davon ab, ohne Fachkenntnisse oder Anleitung mit der Methode zu beginnen.

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