Hunde in Bewegung

Quelle: ©Prof. Dr. M. Fischer

Hunde in Bewegung
22. August 2016

An der Universität Jena entstand eine weltweit einzigartige Studie zum Thema Hunde in Bewegung. Prof. Dr. Martin S. Fischer und sein Team veröffentlichen ihre Studie in einem gleichnamigen Buch.

Zu dem Thema »Hunde in Bewegung« haben Prof. Dr. Martin S. Fischer von der Friedrich-Schiller-Universität Jena und seine Kollegin Frau Dr. Karin E. Lilje eine faszinierende Studie in einem gleichnamigen Buch veröffentlicht. Gemeinsam mit ihrem Team haben sie an über 300 Hunden aus 32 Rassen die weltgrößte Studie zur Fortbewegung an Hunden erstellt.

Die Studie bezieht sich auf die Biologie des Hundes. Um diese nachvollziehen zu können, ist das Wissen über Bewegungsmuster von Wölfen erforderlich, schreibt Prof. Dr. Fischer einleitend in dem Buch. »Im Mittelpunkt der Studie stand die Frage nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden in der Fortbewegung verschiedener Hunderassen.«

In seinem Vortrag erklärt Prof. Dr. Fischer einige Aspekte, die den Blickwinkel auf den Hund reformieren kann.

Beispielsweise, dass Hunde auf einem Spaziergang allenfalls 5 Prozent ihrer täglichen Energie für das Laufen benötigen. Einen deutlich höheren Energieverbrauch haben Hunde beim Erhalt ihrer Körpertemperatur. Die Menge steht im direkten Bezug zur Körpergröße und Körperoberfläche. Je kleiner ein Hund ist, um so mehr Energie verbraucht er, um warm zu bleiben.

Der geringe Energieverbrauch für die Laufbewegung erklärt, warum Hunde durch monotones Laufen kaum überschüssiges Fettgewebe verlieren.

Sie sind Langstreckenläufer, so wie ihre Vorfahren die Wölfe, die täglich ihre Reviergrenzen kontrollieren und dabei viele Kilometer zurücklegen. Nebenbei sind sie mit dem Nahrungserwerb beschäftigt. Prof. Dr. Fischers hebt zwei Ansichten in seinem Vortrag hervor. 1. Die meisten Hunde sind zu dick und 2. Hunde brauchen Freilauf!

©Prof. Dr. Fischer, Uni Jena

©Prof. Dr. Fischer, Uni Jena

Auch wenn Übergewicht, Diäten und Gewichtsreduktion kein Bestandteil der Studie sind und in dem Buch auch nicht erwähnt werden, ebenso wenig wie Hundesportarten, stehen Nahrung und Bewegung im direkten Kontext. Spazieren gehen, gehört, ebenso wie Joggen und am Rad mitlaufen, eher zu den monotonen Laufbewegungen. Um die Gelenkknorpel vollständig geschmeidig zu halten und ausreichend mit Nährstoffen zu versorgen, sollten Hunde ihre kompletten Bewegungsvarianten, wie Klettern, Balancieren, Sprints und Kurven laufen nutzen dürfen.

©Prof. Dr. Fischer, Hund auf dem Laufband

©Prof. Dr. Fischer, Hund auf dem Laufband

Prof. Dr. Fischer erklärt, dass Hunde in ihrer Biologie weiterhin vergleichbar sind zum Wolf.

Demnach ist eine artgerechte Auslastung nur dann gegeben, wenn sie Körper und Geist benutzen dürfen, bzw. müssen. Reine Laufbewegungen erhöhen maximal die Kondition eines Hundes, wodurch die Strecken immer länger werden müssen, um zumindest eine körperliche Auslastung zu erreichen.

Resultierend aus dem Vortrag und dem Buch geht hervor, dass es respektive auf die Qualität der Bewegung und Beschäftigung ankommt, als auf die Kontinuität.

Das Seminar mit Prof. Dr. Martin S. Fischer können wir jedem Hundebesitzer empfehlen. Seine Erzählung ist lebendig und auch für Nicht-Wissenschaftler leicht nachvollziehbar.

Hinweis: Freilauf darf in dem Zusammenhang Bewegung, Gewicht und Gesundheit aber nicht bedeuten, dass Hundehalter ihre Vierbeiner jederzeit und überall von der Leine lassen. Aus Rücksichtnahme gegenüber Mitmenschen, Wildtieren, anderer Hundehalter und Artgenossen sollte ein Hund nur dann leinenfrei unterwegs sein, wenn er verlässlich abrufbar ist. Auf gesichertem Terrain hingegen spricht nichts dagegen, Hunden Freilauf zu gewähren.

Anmerkung

Die Bilder der Bewegungssequenzen wurden mit Hochgeschwindigkeitskameras aufgenommen, mit bis zu 1000 Bilder pro Sekunde. Zusätzlich wurden die Hunde in verschiedenen Gangarten von vorn und der Seite gefilmt und es erfolgte eine Aufzeichnung mit einer Hochgeschwindigkeits-Röntgenvideoanlage. Aus diesen drei Aufnahmetechniken entstand Filmmaterial, deren Präzision bisher noch niemand erreicht hat.

Damit eine derart umfangreiche und weltweit einmalige Studie überhaupt möglich wurde, waren zahlreiche Unterstützer und Förderer notwendig. Eine, die wir hier gerne nennen möchten, ist Frau Dr. Helga Eichelberg, Gründerin der Gesellschaft zur Förderung Kynologischer Forschung (gfk). »Ohne Sie«, so sagt Prof. Dr. Fischer, »hätten wir diese Studie kaum realisieren können.«

Wir bedanken uns bei Prof. Dr. Martin S. Fischer und seinem Team für die zur Verfügung gestellten Fotos.

 

Wissenschaft und Forschung

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